Wie Zusammenarbeit mit Eltern gelingt

In einer aktuellen Studie des Österreichischen Instituts für Familienforschung wurden Lehrkräfte, Eltern und SchülerInnen u.a. zur Zusammenarbeit zwischen Schule und Familie befragt. Die überwiegende Mehrheit der Eltern und Lehrkräfte sind der Meinung, dass die Partnerschaft gut funktioniert und sich die beiden Institutionen in der Erziehung der Kinder gut ergänzen. Auch mit Anzahl und Qualität der Kontakte sind beide Seiten nach eigenen Angaben weitgehend zufrieden.

Andererseits findet fast die Hälfte der befragten Lehrerinnen und Lehrer, dass das Sozialverhalten der Schüler und Schülerinnen zu wünschen übrig lässt und sehen das in der Verantwortung der Eltern. Die Eltern dagegen beklagen, dass die Lehrkräfte sich nicht ausreichend Zeit zum Erklären des Lehrstoffes nehmen und sie deshalb mit ihren Kindern den Stoff zu Haus nachlernen müssen. Es hat also den Anschein, als ob es in der Zusammenarbeit doch Grund zur Unzufriedenheit gibt.

Wie kann nun eine qualitätsvolle, für beide Seiten zufrieden stellende Elternarbeit gelingen?

Schule und Elternhaus tragen gemeinsam die Verantwortung für den Bildungserfolg eines Kindes. Man kann von einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Lehrkräften und Erziehungsberechtigten sprechen. Das sollten beide Seiten im Blick behalten, wenn es um das Bemühen um eine konstruktive Zusammenarbeit geht. Aus der Perspektive von Schulen lassen sich vier Merkmale erkennen, die zum Gelingen von Elternarbeit beitragen:

Eltern sind in der Schule willkommen
Eltern lassen sich eher für Zusammenarbeit gewinnen, wenn sie sich in der Schule willkommen fühlen. Eltern neuer SchülerInnen können durch Willkommensgespräche und –rituale angesprochen werden, vielleicht schon vor Beginn des Schuljahres. Klare, verständliche Informationen darüber, wie bestimmte Prozesse in der Schule ablaufen, wohin man sich mit welchen Fragen wenden kann, helfen bei der Orientierung. Um berufstätigen Eltern entgegen zu kommen, werden Gesprächstermine außerhalb der regulären Sprechzeiten angeboten. Bei mündlichen und schriftlichen Ansprachen werden unterschiedliche Hintergründe und Sprachniveaus berücksichtigt: Das bedeutet nicht, dass alles übersetzt werden muss! Bei vielen verschiedenen Sprachen in der Schule ist das oft gar nicht möglich. Auch wenn Informationen nur auf Deutsch angeboten werden, kann man darauf achten, dass diese möglichst einfach und klar formuliert sind. Auf Familien mit niedrigem Einkommen wird Rücksicht genommen, um auch diesen die Teilhabe an den Aktivitäten der Schule zu ermöglichen

Regelmäßige Kommunikation und Informationsaustausch
Alle wichtigen Informationen wie Kontaktmöglichkeiten, Termine, Rechte und Pflichten der Eltern, Infos zu Bildungswegen, Abschlüssen sowie Fördermöglichkeiten müssen alle Eltern erreichen. Am besten werden diese Infos auf mehreren Wegen kommuniziert, also zum Beispiel in einem Elternbrief, in einem Newsletter und auf der Website. Mit einem Kommunikationskonzept kann schon in der Jahresplanung vereinbart werden, wann welche Personengruppen mit welchen Themen über welche Kanäle angesprochen werden sollen.

Gespräche zwischen Eltern und Lehrkräften finden regelmäßig statt, zum Beispiel bei wiederkehrenden Entwicklungsgesprächen; Positives steht dabei im Mittelpunkt, nicht nur Probleme. So wird die Kommunikation einfacher, wenn es doch einmal Schwierigkeiten gibt. LehrerInnen haben durch ihre pädagogische Ausbildung kommunikative Vorteile gegenüber vielen Eltern, deshalb liegt die Verantwortung für die Gesprächsführung oft bei ihnen. Regelmäßige Fortbildungen in diesem Bereich, z.B. gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen in einer SCHILF, erhalten und entwickeln diese Kompetenzen.

Angebot der Schule für Eltern
Eltern werden darüber informiert, in welcher Form sie in der Schule mitwirken können, etwa in den Elternvertretungen, bei Unterrichtshospitationen u.ä. Alle Möglichkeiten der Mitwirkung werden klar und transparent gemacht.

Eltern möchten wissen, wie sie ihr Kind beim Lernen unterstützen können. Die Lehrkräfte erklären Ziele, Maßnahmen und Formen der Lernbegleitung durch die Eltern; die Schule kann entsprechende Fortbildungsangebote für die Erziehungsberechtigten anbieten. Die pädagogischen Konzepte und Ziele der Schule werden offengelegt und erläutert, wie Eltern und LehrerInnen am einem gemeinsamen Strang ziehen können – für den Schulerfolg des Kindes.

Vernetzung mit lokalen und regionalen Akteuren
Eine Schule sollte gut mit lokalen und regionalen Akteuren vernetzt sein, damit sie Eltern auf deren Angebote aufmerksam machen oder bei Bedarf außerschulische Fachleute beiziehen kann. Als Kooperationspartner kommen infrage:

  • Kulturelle und Bildungsangebote in der Gemeinde,
  • Schulische Unterstützungssysteme, soziale Dienste, Beratungsangebote,
  • Vereine und Communities, die den Zugang zu ansonsten schwer erreichbaren Eltern erleichtern können.

LITERATURTIPP
GIVE (2018): Zusammenarbeit mit Eltern. Factsheet.

Verwendete Literatur:
KAPELLA, O. (Hg., 2017): Bildung und Erziehung. Welche Lern- und Entwicklungschancen bieten Familie und Schule in den Bereichen Bildung und Erziehung? Opladen: Budrich UniPress.
LOKHANDE, M./HOEFT, M./WENDT, J. (2014): Eltern als Bildungspartner: Wie Beteiligung an Grundschulen gelingen kann. Berlin: Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR).
SACHER, W. (2014): Elternarbeit als Erziehungs- und Bildungspartnerschaft. Grundlagen und Gestaltungsvorschläge für alle Schularten.
SCHRÖDER, S. (2013): Qualitätsmerkmale schulischer Elternarbeit. Ein Kompass für die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus. Düsseldorf: Vodafone Stiftung Deutschland.

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