GIVE News – Mai 2025
Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
willkommen zur dritten Ausgabe unserer Newsletter-Reihe zum Thema „Gute Beziehungen in der Schule“!
Diesmal stehen konkrete Impulse und Anregungen für die Praxis im Fokus: Wie können gute Beziehungen im Schulalltag nicht nur gedacht, sondern aktiv gestaltet werden? Denn ob im Klassenzimmer, im Lehrerzimmer oder auf dem Pausenhof: Gelebte Beziehungskultur zeigt sich in vielen kleinen Momenten, die den Schulalltag für alle Beteiligten stärken und bereichern.
In dieser Ausgabe finden Sie praxisnahe Tipps, die Sie direkt in Ihrer schulischen Arbeit einsetzen können. Für ein gelingendes Miteinander, das Lernen und Wohlbefinden fördert.
Themen in diesem Newsletter sind:
- Gute Beziehungen in der Schule Teil 3: Für die Praxis
- AGES Medienumfrage
- IQES – Körperbilder in Sozialen Medien
- Weltnichtrauchertag am 31.05.2025
- Veranstaltungstipps
- Literaturtipp
Viel Freude beim Lesen,
Ihr GIVE-Team
Gute Beziehungen in der Schule
Teil 3: Für die Praxis
Gute Beziehungen an der Schule entstehen nicht von selbst sondern müssen aktiv gestaltet werden. Dabei betrifft das Thema nicht nur einzelne Klassen oder Lehrpersonen, sondern die gesamte Schulgemeinschaft. Ein respektvolles Miteinander, ein wertschätzendes Klima und ein offener Umgang mit Konflikten sind zentrale Grundlagen für erfolgreiches Lernen und die psychosoziale Gesundheit.
Welche Schwerpunkte eine Schule dabei setzt, hängt stark vom Standort und den jeweiligen Herausforderungen ab. Wichtig ist: Es braucht keine komplett neuen Programme. Oft lassen sich bereits bestehende Aktivitäten und schulische Entwicklungsziele gut miteinander verknüpfen. Denn Beziehungsgestaltung gelingt dann besonders gut, wenn sie auf mehreren Ebenen ansetzt, Zeit bekommt und gemeinsam getragen wird.
Impulse für die Umsetzung:
- Soziale Kompetenzen im Alltag fördern:
Vermitteln Sie grundlegende soziale Fähigkeiten nicht nur in Projekten, sondern im regulären Unterricht. - Mehrere Ebenen einbeziehen:
Gute Beziehungsgestaltung betrifft nicht nur den Unterricht sondern auch das Kollegium, die Zusammenarbeit mit Eltern sowie das schulische Umfeld insgesamt. - Früh beginnen:
Starten Sie bereits bei jungen Schüler:innen und bearbeiten Sie das Thema kontinuierlich über die gesamte Schulzeit hinweg. - Gemeinsam stark:
Sichern Sie sich die Unterstützung der Schulleitung. Eine gemeinsame Weiterbildung für das Lehrerteam am Schulstandort ist von Vorteil. - Stärkenorientiert, partizipativ und dialogisch:
Setzen Sie auf Ermutigung, schaffen Sie Gesprächsanlässe (z. B.: Erzählkreise) und geben Sie Schüler:innen echte Mitgestaltungsmöglichkeiten.
Alles beginnt mit einer guten Planung
Ein strukturierter Zugang kann helfen, Ziele klar zu formulieren und Kräfte sinnvoll zu bündeln. Folgende Schritte haben sich in der Praxis bewährt:
- Team bilden & Ist-Stand analysieren. Diskutieren Sie das Thema im Kollegium:
- Was läuft bereits gut?
- Wo gibt es Spannungen oder Herausforderungen?
- Welche Erfahrungen konnten bereits gesammelt werden?
- Wie nehmen Schüler:innen, Eltern oder das nicht-pädagogische Personal das Schulklima wahr?
- Zuständigkeiten klären & verankern:
Wer koordiniert den Prozess? Welche Kolleg:innen bringen besondere Erfahrungen oder Kompetenzen ein? Wie kann das Thema in die Schulentwicklung eingebunden werden? - Ziele setzen & Maßnahmen planen:
Was wollen Sie konkret verändern? Wo ist der Handlungsbedarf am größten? Planen Sie erste, realistische Schritte mit Zeitrahmen und klaren Verantwortlichkeiten. - Kommunikation & Beteiligung sicherstellen:
Gute Öffentlichkeitsarbeit ist nicht nur Motivation, sondern auch Wertschätzung. Nutzen Sie vorhandene Kanäle (vom Schwarzen Brett bis zur Schulwebsite) um über Fortschritte zu berichten. - Externe Unterstützung nutzen:
Holen Sie sich Expertise ins Haus. z.B.: durch Fortbildungen, externe Berater:innen oder bewährte Programme. Austausch bringt neue Perspektiven.
Methoden und Tipps für die Praxis:
Struktur & Orientierung:
- Klassenregeln gemeinsam festlegen (max. 5–6).
- Bewertungskriterien klar und frühzeitig kommunizieren.
- Lernziele mit Wochenplänen sichtbar machen.
Wertschätzendes Feedback:
- Fortschritte regelmäßig anerkennen.
- Halbjahresgespräche mit Zielvereinbarungen nutzen.
- Fehler als Lernchancen bereifen.
Gesprächskultur fördern:
- Gesprächsrunden wie Morgenkreis einführen.
- Zuhören, Meinungen austauschen, Standpunkte begründen üben.
Zusammenarbeit stärken:
- Kooperative Lernformen wie Lerntandems und Gruppenarbeit einsetzen.
- „Kokoko-Stunden“ zu Kommunikation, Kooperation und Konfliktlösung gestalten.
Klassengemeinschaft pflegen:
- Gemeinsame Aktionen: z. B. Klassenzimmergestaltung, Lesenacht, Kochen.
- Rituale schaffen – kleine Gesten mit großer Wirkung.
Möchten Sie mehr zum Thema „Gute Beziehungen“ lesen und praktische Übungen für den Unterricht erhalten?
Die Broschüre „Gute Beziehungen“ bietet wertvolle Hintergrundinformationen sowie hilfreiche Tipps und praktische Übungen, um eine Umgebung zu schaffen, in der Lernen und Lehren Spaß macht.
Weitere GIVE-Materialien:
Schulen gesund leiten
Factsheet Zusammenarbeit mit Eltern
AGES Medienumfrage
Im Rahmen eines EU-Projektes in Kooperation mit dem Gesundheitsministerium und der Gesundheit Österreich GmbH führt die AGES derzeit eine Umfrage zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen durch.
Ziel ist es, das aktuelle Medienverhalten österreichischer Kinder und Jugendlicher zu erheben, sowie den Werbedruck in Bezug auf Lebensmittel in verschiedenen Medien zu erfassen. Dadurch soll die Datengrundlage für weitere Maßnahmen geschaffen und der Einfluss der Werbung auf Kinder langfristig verringert werden.
Die Umfrage richtet sich an Eltern und Kinder (6-17 Jahre), die den Fragebogen gemeinsam online ausfüllen. Er ist völlig anonym und nicht rückverfolgbar.
Dauer: ca. 15 Minuten (5 Minuten Elternteil + 10 Minuten Kind)
Inhalte: Statistische Eckdaten (Alter, Geschlecht, Bundesland, etc.), TV-Nutzung und Streaming, Internet und Soziale Medien, Lieferservice-Apps, Lebensmittelmarken.
IQES – Körperbilder in Sozialen Medien
Instagram, TikTok & Co. sind längst fester Bestandteil der Lebenswelt von Schüler:innen. Was dabei oft übersehen wird: Die dort gezeigten Körperbilder prägen das Selbstbild junger Menschen erheblich. Vor allem Mädchen und junge Frauen orientieren sich an idealisierten, oft stark bearbeiteten Darstellungen – mit spürbaren Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden, ihre Selbstwahrnehmung und ihr Körpergefühl.
Die Mechanismen hinter diesen Bildern sind komplex: Viele Nutzer:innen inszenieren sich bewusst positiv auf der Suche nach Likes, Zugehörigkeit und Anerkennung. Für Influencer:innen ist das jedoch mehr als Selbstdarstellung: Es ist ein Geschäftsmodell. Der Markt für Körperbilder ist lukrativ. Gerade Fitness- und Beauty-Influencer:innen generieren enorme Einnahmen durch Werbepartnerschaften und eigene Marken. Der Preis dafür? Ein medial vermitteltes Körperideal, das für viele unerreichbar ist und das bei Jugendlichen Körperunzufriedenheit, Druck, Vergleiche, Bodyshaming oder sogar Essstörungen begünstigen kann.
Gleichzeitig entstehen in den sozialen Medien auch Räume der Gegenbewegung: Body Positivity und Body Neutrality setzen bewusst auf Vielfalt und Selbstakzeptanz und können Jugendlichen helfen, ein realistisches und gesundes Körperbild zu entwickeln.
Für die Schule bedeutet das: Körperbilder sollten nicht nur im Kontext von Biologie oder Medienbildung thematisiert werden, sondern auch als fächerübergreifendes Thema psychosozialer Gesundheitsförderung und Persönlichkeitsentwicklung. Medienkritische Bildung, offene Gespräche über Schönheitsideale und Selbstinszenierung sowie kreative Reflexionsformate (z. B. Fotoanalysen, Collagen, Rollenspiele) können Schüler:innen stärken und Lehrkräften helfen, Orientierung zu geben.
Weltnichtrauchertag 31.05.2025
Am 31. Mai ist Weltnichtrauchertag. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und internationale Gesundheitsexpert:innen nutzen diesen Tag, um auf die schädlichen Praktiken der Tabak- und Nikotinindustrie aufmerksam zu machen. Die diesjährige Kampagne steht unter dem Motto: „Den Reiz entlarven: Enthüllung der Taktiken der Hersteller von Tabak- und Nikotinprodukten“.
Ziel der Kampagne ist es, die Strategien der Industrie offenzulegen, mit denen vor allem junge Menschen gezielt angesprochen und zum Konsum verleitet werden. Dazu zählen:
- Aromen und Zusatzstoffe, die Geschmack und Geruch verbessern und die Schärfe des Tabaks überdecken,
- attraktives Marketing über stilvolles Design, auffällige Verpackungen und Social-Media-Kampagnen,
- täuschendes Produktdesign, etwa E-Zigaretten oder Nikotinbeutel, die wie Spielzeug oder Süßigkeiten aussehen.
Diese Strategien fördern nicht nur den Einstieg in die Nikotinnutzung, sondern erschweren auch den Ausstieg – mit langfristigen Folgen für die Gesundheit.
Jugendliche besonders gefährdet
Daten der WHO zeigen: In der Europäischen Region konsumieren immer mehr Jugendliche Nikotinprodukte wie E-Zigaretten. 2022 nutzten etwa 12,5 % der Jugendlichen, aber nur 2 % der Erwachsenen solche Produkte. In manchen Ländern ist der Konsum unter Schulkindern zwei- bis dreimal höher als der von herkömmlichen Zigaretten – eine alarmierende Entwicklung.
Ein Hauptproblem: Der Schutz junger Menschen ist lückenhaft. Nur wenige Länder in Europa verbieten Aromen in E-Zigaretten oder setzen konsequente Werbeverbote um. Das macht Jugendliche besonders anfällig für die aggressiven Marketingstrategien der Industrie.
Veranstaltungstipps
In unserem Veranstaltungskalender finden Sie eine Vielzahl an Workshops, Fortbildungen und Fachtagungen, die wertvolle Impulse für die (schulische) Gesundheitsförderung bieten. Der Kalender wird regelmäßig aktualisiert – ein Blick lohnt sich!
Literaturtipp
Besser unterrichten durch Beziehung. Achtsam unterrichten – Lernbereitschaft fördern – mit auffälligem Verhalten umgehen.
Autoren: Detlev Vogel, Matthias Rüst
„Der Lehrberuf ist ein Beziehungsberuf“ – Dieses Buch zeigt, wie Lehrkräfte durch Achtsamkeit tragfähige Beziehungen zu ihren Schüler:innen aufbauen können – auch in herausfordernden Situationen. Ein praxisnahes, anschaulich visualisiertes Beziehungsmodell bietet konkrete Anregungen für mehr Lernbereitschaft und sozio-emotionale Entwicklung. 14 alltagstaugliche Achtsamkeitsübungen (inkl. Audio-Downloads) helfen dabei, innere Haltung und äußeres Handeln in Einklang zu bringen – für mehr Verbindung, Wirksamkeit und Zufriedenheit im Schulalltag
Vogel, D., & Rüst, M. (2024). Besser unterrichten durch Beziehung: Achtsam unterrichten – Lernbereitschaft fördern – mit auffälligem Verhalten umgehen. Beltz.
