Schule nach dem Corona-Lockdown: Selbstorganisiertes Lernen lernen
Die Zeit des Distance Learnings während des Corona-Lockdowns hat gezeigt, dass viele Schülerinnen und Schüler sich beim Lernen recht gut selbst organisieren können. Andere sind mit dem eigenverantwortlichen Lernen weniger gut zurechtgekommen. Selbstorganisiertes Lernen ist aber nicht nur dann wichtig, wenn Schulunterricht nicht möglich ist. Schülerinnen und Schüler, die sich selbst Lernziele setzen und Lernstoff sowie Lernzeiten gut einteilen können, haben auch während des normalen Schulbetriebs mehr Erfolg und Freude beim Lernen. Lehrkräfte sollten daher Methoden des selbstorganisierten Lernens im Unterricht thematisieren und ihren Schülerinnen und Schülern Gelegenheit geben, diese anzuwenden.
Drei Faktoren machen selbstorganisiertes Lernen erfolgreich: eine gute Zeiteinteilung, die Lernmotivation sowie effektives Lernen mit hilfreichen Lerntechniken.
1. Eigenverantwortliche Zeiteinteilung
Egal ob bei den Hausübungen, für die Prüfungsvorbereitung oder im Homeschooling – es ist sinnvoll, sich Beginn, Dauer und Ende der Lernzeit festzulegen. Wann und wie lange an einem Stück gelernt werden kann, ist einerseits vom Alter der Schülerin, des Schülers abhängig, aber auch individuell verschieden. Als Richtwert für die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne von Kindern und Jugendlichen gelten:
- 5–7 Jährige durchschnittlich 15 Minuten,
- 7–10 Jährige durchschnittlich 20 Minuten,
- 10–12 Jährige durchschnittlich 20–25 Minuten,
- 12–14 Jährige durchschnittlich 30 Minuten.
(BMBWF 2019, S. 21)
Sind längere Lerneinheiten geplant, sind kleine Pausen zwischendurch hilfreich, um die Konzentration zu erhalten. Bewegungspausen können auch im Unterricht eingesetzt und geübt werden; das ermöglicht Schülerinnen und Schülern ein Repertoire an auflockernden Bewegungsübungen aufbauen, das sie bei Bedarf selbstständig anwenden können.
Besonders beim Lernen über digitale Medien ist es wichtig, dass nicht zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbracht wird. Eine kurze Bildschirmpause zumindest alle 20 Minuten dient der Entlastung der Augen: Dazu für ca. 1 Minuten entspannt in die Ferne schauen. Insgesamt sollten Heranwachsende nicht mehr als 2-3 Stunden täglich vor Bildschirmen verbringen.
Mehr Infos & Tipps:
Lernplan richtig erstellen (mitkindernlernen.ch)
Zeiteinteilung lernen. elternwissen.com (elternwissen.com)
Lerntipps: Pausen und Erholung (mitkindernlernen.ch)
Bewegungspausen und Spielideen (radix.ch)
Bewegungspausen im Unterricht (Bewegte Schule Österreich, PDF)
2. Lernmotivation
Lernen fällt manchmal leicht, zum Beispiel aus Interesse an einem Gegenstand oder einem bestimmten Lernstoff. Nicht immer aber ist Lernen spannend; oft ist es recht anstrengend. Daher ist die Lernmotivation sehr wichtig: Wofür lerne ich, welches Ziel möchte ich damit erreichen?
Das können sehr kurzfristige Ziele sein: zum Beispiel die Hausübung rasch erledigen, damit ich danach Freizeit habe. Mittelfristige Ziele für das Lernen können sein: eine gute Note auf die nächste Schularbeit, den nächsten Text bekommen. Ein langfristiges Ziel wäre eine gute Note im Jahreszeugnis, bestimmter Schulabschluss etc.
Kleine Belohnungen erhalten die Motivation. Wer sich eine Herausforderung gesetzt und diese gemeistert hat, hat eine Belohnung verdient! Es muss keine große Belohnung sein, auch kleine Belohnungen motivieren, z.B. wenn du 20 min konzentriert gearbeitet hast, darfst du dir ein Musikvideo anschauen.
10-Minuten-Trick:
Oft ist das Anfangen das Schwierigste beim Lernen. Die Neigung zum Hinausschieben kann man aber mit dem 10-Minuten-Trick überlisten: Nimm dir vor, dich nur für 10 Minuten auf die Lernaufgabe zu konzentrieren! 10 Minuten sind nicht beängstigend lang, das kann man ohne Probleme ausprobieren. Meistens ist man nach kurzer Zeit so in die Aufgabe vertieft, dass man gar nicht merkt, wenn die 10 Minuten vorüber sind und weitermacht. Diese einfache Methode hilft, den anfänglichen Widerstand zu überwinden
Mehr Infos & Tipps:
Lernmotivation: 10 Kurztipps (mitkindernlernen.ch)
Unterrichtsmaterial Selbstmotivation (DGUV)
3. Effektives Lernen
In einer reizarmen Umgebung fällt konzentriertes Lernen leichter. Die Lernumgebung sollte also frei von visuellen Ablenkungen und Lärm (Radio, Lärm, im Zimmer spielende Geschwisterkinder etc.) sein. Weniger leicht beeinflussen lassen sich Stress und Druck oder psychische Belastungen, die ebenfalls schlecht für die Konzentrationsfähigkeit sind.
Konzentration kann durch gewisse Übungen gefördert und verbessert werden. Dazu zählen zum Beispiel Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Fantasiereisen oder Spiele wie Memory und Fehlersuchbilder. Bewegung und Sport sind grundsätzlich förderlich für das Lernen: Körperliche Aktivität ermöglicht das Austoben, den Abbau von Stress und Belastung, sorgt für eine gute Sauerstoffversorgung, verbessert die Körperbeherrschung und fördert das Lernen und Einhalten von Regeln. Bestimmte Sportarten wie einige Kampfsportarten, Klettern, Bogenschießen wirken besonders positiv auf Aufmerksamkeit und Konzentration.
Einige wenige Schülerinnen und Schüler (ca. 4-6%) haben tiefergreifende Probleme mit der Konzentration. Schulpsychologen/innen können diesen Kinder und Jugendlichen dabei helfen, effektive Lernmethoden zu finden bzw. bei der Abklärung, ob eventuell eine Aufmerksamkeitsstörung vorliegt, unterstützen.
Lerntechniken:
Lerntechniken helfen beim effektiven Lernen. Es gibt Lernstoff, den muss man sich einprägen (z.B. Vokabeln, Jahreszahlen usw.). Am wichtigsten bei dieser Art von Lerninhalten ist das Wiederholen und Üben. Am besten ist es, den Lernstoff in kleinere Lerneinheiten einzuteilen und diese immer wieder durchzugehen und abzufragen. Dafür eignet sich die Arbeit mit Karteikarten gut, entweder mit Karteikarten aus Papier oder mit einer Karteikarten-App.
Andere Lerninhalte muss man gut verstehen, um sie zu beherrschen und – zum Beispiel bei einem Test – anwenden zu können. Der erste Schritt, um Lernstoff gut zu beherrschen, ist nachzufragen, wenn man etwas nicht verstanden hat. Am besten ist es, die Lehrerin, den Lehrer um weitere Erklärungen zu bitten. Manchmal hilft es beim Verständnis besser, sich den Lernstoff von einem Freund oder einer Freundin erklären zu lassen – vorausgesetzt der Freund, die Freundin hat den Stoff selbst gut verstanden!
Um etwas besser zu verstehen, kann man auch selbst Recherchen anstellen. Ein Sachbuch, ein Artikel in einer Fachzeitschrift, aber auch eine Internetrecherche können das Verständnis und das Wissen vertiefen. Zu vielen Themen gibt es anschauliche und leicht verständliche Erklärvideos – zum Beispiel auf Youtube.
Mehr Infos & Tipps:
Spielerische Übungen zur Förderung der Konzentraion (Bildungsdirektion NÖ, PDF)
Lerntipps für Jugendliche. feelok.at
Lernen – Gewusst wie (Schulpsychologie Tirol, PDF)
Lernen lernen. Impulse für Schülerinnen und Schüler, deren Eltern und Lehrkräfte (BMBWF, PDF)
Lerntipps für bequeme Schüler*innen (Schulpsychologie Tirol, PDF)
Weitere Beiträge der Reihe „Schule nach dem Corona-Lockdown“:
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