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Kinder und Erwachsene sitzen auf einem öffentlichen Platz und starren in ihre HandysCC0 via pixabay.com

Schule 4.0 und Gesundheit, Teil 1 – Nutzung digitaler Geräte: Auswirkungen auf die Gesundheit

4. Oktober 2018/in Praxistipps /von Gabriele Laaber

Mit der Initiative „Digitale Grundbildung“ setzt das Bildungsministerium einen Schwerpunkt auf digitale Kompetenzen und informatische Bildung, und zwar von der Grundschule bis zur Sekundarstufe 2. Nach einem Pilot im Schuljahr 2017/18 beginnt ab dem Schuljahr 2018/19 die flächendeckende Umsetzung für alle Schulen der Sekundarstufe I (NMS, AHS). Ein entsprechender Lehrplan wurde erarbeitet; dieser sieht vor, dass Schülerinnen und Schüler innerhalb von vier Jahre eine Reihe von Kompetenzen erwerben – von den gesellschaftlichen Aspekten von Digitalisierung über Informations- und Medienkompetenz, Mediengestaltung bis zu technischer Problemlösung und Programmierung.

Der Lehrplan bietet den Rahmen, sich im Unterricht mit den Zusammenhängen zwischen Gesundheit und Digitalisierung auseinanderzusetzen. Zwei Zugänge werden dabei angerissen: Die gesundheitlichen Risiken von Digitalisierung und Nutzung digitaler Medien; andererseits die Chancen, die digitale Medien zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden bieten. Wir möchten zu beiden Zugängen Hintergrundwissen bereitstellen: Hinweise auf Studien und interessante Diskussionen, Links zu seriösen Informationsquellen und Tipps für das Umsetzen im Unterricht.

1. Nutzung digitaler Geräte: Auswirkungen auf die Gesundheit

Smartphones sind erst seit rund elf Jahren weit verbreitet; Tablets sind seit etwa 2010 ein Massenprodukt. Deshalb fehlen Langzeitstudien zu den Auswirkungen der zunehmenden Digitalisierung auf die Gesundheit von Heranwachsenden. Fachleute befürchten schädliche Effekte in verschiedenen gesundheitlichen Bereichen. Als negative Auswirkungen werden immer wieder genannt: Schlafstörungen, Rückenprobleme und Bewegungsmangel, Aufmerksamkeitsstörungen sowie Suchtgefahr von online-Spielen und sozialen Medien.

Das gesundheitsgefährdende Potenzial der Digitalisierung geht in erster Linie von einer übermäßigen Nutzung und der ständigen Verfügbarkeit von online-Angeboten durch Smartphones und andere mobile Geräte aus. Die exzessive Beschäftigung mit PC- oder online-Spielen, mit sozialen Medien wie Youtube, Instagram, Facebook, oft für mehrere Stunden pro Tag, kann die physische und mentale Gesundheit beeinträchtigen.

Bis zu 10 Stunden pro Tag verbringen Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren an Geräten mit Bildschirm, zeigte eine Untersuchung an Tiroler Schülern und Schülerinnen im Jahr 2017; deutlich weniger Zeit widmeten die befragten Teenies Bewegung und Sport, nämlich nur rund 5 Stunden pro Woche. Bewegungsmangel hat vielfältige negative Auswirkungen auf die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, z.B. Einschränkungen der motorischen Fähigkeiten und Übergewicht. Zudem kann das lange Sitzen vor dem Bildschirm Rückenschmerzen verursachen, denn es bedeutet eine einseitige Belastung für den Rücken und schwächt die Rückenmuskulatur.

Die lang andauernde Beschäftigung mit Bildschirmgeräten kann außerdem zu Schlafproblemen führen. Jugendliche, die ihr Smartphone auch noch im Bett nutzen, schlafen deutlich weniger und schlechter. Das beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden.

Machen digitale Medien süchtig?
Vor Kurzem hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) angekündigt, dass online-Spielsucht in die International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (kurz: ICD) aufgenommen werden soll. Diese Ankündigung wurde durchaus kontrovers diskutiert. Während einige Fachleute diesen Schritt als längst überfällig begrüßen, sehen andere den Entschluss kritisch: Übermäßiges Spielverhalten sei keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom einer dahinter liegenden, anderen Problematik, die es zu lösen gelte.

Zweifellos gibt es Menschen, die ein problematisches Computerspielverhalten haben. Laut einer deutschen Studie sollen rund 4% der 14- bis 16-jährigen internet-süchtig sein. Als Symptome einer solchen Abhängigkeit werden das Gefühl, nicht mehr ohne Internet, Smartphone oder PC leben zu können, sowie Entzugserscheinungen bei Abstinenz genannt.

Link- und Literaturtipps für die Gestaltung einer Unterrichtseinheit
In einer Unterrichtseinheit zu den gesundheitlichen Auswirkungen des digitalen Medienkonsums können Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Medienverhalten reflektieren. Mögliche Fragen dazu sind:

  • Wie viel Zeit verbringe ich selbst mit Smartphone, Tablet, PC und TV?
  • Welche anderen Aktivitäten kommen dadurch eventuell zu kurz?
  • Hat meine Mediennutzung Effekte auf mein körperliches und mentales Wohlbefinden (z.B. Verspannungen im Nacken oder Rücken, Schlafprobleme etc.)?
  • Möchte ich an meinem Medienverhalten etwas verändern? Was kann mir dabei helfen?

Linktipps:

  • Feel-ok.at: Informationen für Jugendliche zum Thema online-Sucht
  • Saferinternet.at: FAQ zu exzessiver Internet-Nutzung und online-Sucht
  • Saferinternet.at: Flyer für Jugendliche „Süchtig nach Internet & Handy?“ (PDF)
  • Peerbox.at: Übung „Meine Grenzen“: Jugendliche reflektieren das eigene Medienverhalten und entwickeln Strategien, um exzessive Mediennutzung zu reduzieren
  • Ins-netz-gehen.de: Selbsttest für Jugendliche: „Bin ich süchtig?“

Gratis-Apps zum Messen der Handynutzung

  • Systemeigene Anwendungen: Bildschirmzeit in iOs und Digital Wellbeing in Android.
  • Gratis-App zum Downloaden:
  • Quality Time (für Android)

Fortsetzung in Teil 2: „Digitale Medien als Quelle für Gesundheitsinfos“ 

Bild: CC0 über pixabay.com

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