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Gesundheitsförderung in Settings – ein bewährter Ansatz der Gesundheitsförderung

Seit beinahe 30 Jahren ist der Settingansatz (Lebensweltansatz) ein wichtiges Handlungsfeld von Gesundheitsförderung (vgl. Ottawa Charta von 1986). Unter einem Setting (einer Lebenswelt) wird ein klar abgegrenztes soziales System verstanden, wie z.B. Schulen, Betriebe, Gemeinden oder Krankenhäuser. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass isolierte verhaltensbezogene Maßnahmen, Informations- und Aufklärungsangebote, bald an ihre Grenzen stoßen. Da sie nur auf das Individuum fokussieren, ist ihre nachhaltige Wirkung begrenzt. (vgl. Determinanten der Gesundheit).

Der Setting-Ansatz hingegen erweitert die Perspektive und verfolgt das Ziel, Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen so zu verändern, dass sie auf die Gesundheit der einzelnen positiv auswirken. Dafür sind teilweise komplexe organisationsspezifische Veränderungen notwendig. Organisationsentwicklung ist eine grundlegende Methode, die dabei zur Anwendung kommt.

Drei zentrale Aspekte von Gesundheitsförderung in Settings sind …

  • die Stärkung der Kompetenzen und Ressourcen der im Setting lebenden Personen (individuelle Ebene).
  • die Entwicklung gesundheitsförderlicher Rahmenbedingungen (strukturelle Ebene).
  • die Einbindung der Betroffenen in die Veränderungsprozesse (Partizipation).

Wesentliche Merkmale von Gesundheitsförderung im Setting Schule:

  • Im Zentrum steht die Organisations- und Qualitätsentwicklung der Schule, d.h. Prozesse des Lehrens und Lernens (vgl. SQA, QIBB).
  • Gesundheitsförderliche Maßnahmen fokussieren nicht nur auf das Verhalten der einzelnen (z.B. Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte), sondern auch auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Schule.
  • Gesundheitsfördernde Maßnahmen werden unter Einbeziehung aller Betroffenen vor Ort entwickelt.
    Die Interventionen nehmen alle Zielgruppen der Lebenswelt Schule in den Blick, d.h. nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern auch Lehrerinnen und Lehrer, die Schulleitung, Eltern und nicht unterrichtendes Personal.
  • Gesundheitsförderung wird in allen schulischen Entscheidungsprozessen mitgedacht und nachhaltig verankert, z.B. im Leitbild oder der Schulqualitätsentwicklung.
  • Aktionismus und isolierte Einzelaktivitäten werden vermieden.
  • Die Schule kennzeichnet sich durch ein gutes Schulklima und eine Kultur der gegenseitigen Anerkennung und des Respekts.
Beispiele aus der schulischen Praxis
Problembezogene und isolierte Maßnahmen Lebensweltbasierte Maßnahmen
themenspezifische Unterrichtseinheiten, z.B. zur gesunden Ernährung Optimierung der Schulverpflegung (Schulbuffet und Mittagsverpflegung)
Workshops zu einem Gesundheitsthema, z.B. Haltungsschäden vorbeugen Schaffung von bewegten Pausen- und Unterrichtsangeboten
Referate und Vorträge, z.B. Umgang mit Problemen Kooperation mit Unterstützungssystemen in und um die Schule (z.B. Schulpsychologie, Bildungsberatung)
kleinere Projekte, z.B. Erstellung einer Sammlung an Entspannungsübungen Rhythmisierung des Unterrichts (Wechsel von Lern- und Erholungsphasen
Gesundheitstag mit Stationenbetrieb Klassenraumgestaltung (z.B. Ablageflächen, flexibles Mobiliar, PC-/Internetzugang für Recherchen)
Exkursionen und Lehrausgänge Gemeinsame Entwicklung von Regeln zum positiven Umgang miteinander

Wie settingbasierte Maßnahmen in der Schule umgesetzt werden können, zeigen Schritt für Schritt die folgenden Publikationen:

Quellen