Wie Suizidprävention gelingen kann

Suizide können verhindert werden! Daran möchte der Welttag der Suizidprävention am 10. September erinnern. Suizide sind ein komplexes und vielschichtiges Phänomen, Suizidprävention muss daher ebenfalls auf vielen Ebenen ansetzen. Wie eine erfolgreiche Suizidprävention auf politischer und gesellschaftlicher Ebene aussehen kann, zeigt das Magazin Science [1] am Beispiel Dänemarks.

Initiative zur Senkung der Suizidrate in Dänemark
1980 war Dänemark eines der Länder mit den höchsten Selbstmordraten: 38 Suizide pro 100.000 Einwohner mit einem Alter über 15 Jahren. Durch gezielte Maßnahmen zur Suizidprävention begann die Rate zu sinken und liegt nun seit 2007 bei 11,4 Selbstmorden pro 100.000 Einwohner.

Die dänische Strategie zur Suizidprävention setzt an mehreren Ebenen an. Eine der wirkungsvollsten Maßnahme war es, den Zugang zu Suizidmitteln einzuschränken. So wurden die Zugangsmöglichkeiten zu Medikamenten, die für einen Suizid benutzt werden könnten, reduziert; besonders gefährliche Medikamente durch weniger toxische ersetzt und Packungsgrößen von gefährlichen Medikamenten verkleinert. Eine Einschränkung der Verfügbarkeit von Feuerwaffen und strenge Regulationen für den Waffenbesitz haben ebenfalls zur Reduktion der Selbstmordrate beigetragen.

Im Rahmen des allgemeinen Gesundheitssystems haben alle Bürger und Bürgerinnen kostenlosen Zugang zu psychiatrischer Versorgung, einschließlich der eigens eingerichteten psychiatrischen Notfallstationen. Suizidpräventionskliniken bieten Beratung und Therapie für Personen, die sich mit Selbstmordgedanken tragen oder bereits Selbstmordversuche hinter sich haben. Psychiatrische Notfallteams bieten Unterstützung für Personen in schweren Krisen. Patienten und Patientinnen, die aus einem psychiatrischen Krankenhaus entlassen werden – eine besonders kritische Übergangsphase -, werden mit Hausbesuchen ambulant weiter betreut.

Als zusätzlich Maßnahme wird derzeit diskutiert, besonders vulnerable Personen aufgrund der vorhandenen Gesundheitsdaten zu identifizieren – z.B. alkohol- oder drogenabhängige Personen oder Angehörige marginalisierter Gruppen wie Obdachlose, Kinder in Pflegefamilien, Gefängnisinsassen usw. – und mit personalisierten Aktionen gezielt anzusprechen.

Österreichische Suizidpräventionsstrategie
Die österreichische Selbstmordrate liegt mit 14,6 Suiziden pro 100.000 Einwohner über dem weltweiten Durchschnitt. Seit 2011 bemüht sich Österreich mit einer eigenen Suizidpräventionsstrategie gezielt um die Senkung der Suizidrate. Die Strategie setzt ebenfalls u.a. auf Restriktion des Zugangs zu Suizidmittel sowie auf den Ausbau von Unterstützungs- und Behandlungsangeboten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in Aufbau und Verbreitung von suizidpräventivem Wissen.

So wurde zum Beispiel das Gatekeeper-Schulungskonzept erstellt, das Personen an Schlüsselpositionen, sogenannte Gatekeeper, im Umgang mit suizidgefährdeten Menschen schult. Angesprochen werden Angehörige von Berufsgruppen, die Ansprechpartner/innen für betroffene Risikopersonen sind, aufgrund ihrer beruflichen oder sozialen Position mit suizidgefährdeten Personen in Kontakt kommen und dabei die Chance haben, suizidpräventive Hilfestellung zu geben und professionelle Hilfe zu vermitteln. Das Projekt soll helfen, suizidpräventives Wissen und Handeln zu verbreiten und suizidpräventive Kompetenzen zu fördern, damit möglichst vielen Risikopersonen mit Suizidgefährdung geholfen werden kann. [2]

Speziell an junge Menschen richtet sich die Website Bitte lebe, die ebenfalls im Rahmen der Suizidpräventionsstrategie entstanden ist. Die Website möchte mit Mythen und Halbwahrheiten rund um das Thema suizidales Verhalten aufräumen, bietet Unterstützung für junge Leute mit Selbstmordgedanken sowie für Angehörige und Freunde suizidgefährdeter Jugendlicher.

[1] Science 29 August 2019, Vol 365 Issue 6455, p. 725
[2] BMASGK (Hrsg. 2019): Suizid und Suizidprävention in Österreich. Bericht 2018. S. 29 ff

Zentrale Begriffe der Gesundheitsförderung auf einen Klick

Vor 20 Jahren hat die deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zum ersten Mal ein Glossar zusammengestellt, das die wichtigsten Begriffe, Theorien und Konzepte der Gesundheitsförderung versammelt und erläuert. Weiterlesen

Helfen statt strafen: §13 Suchtmittelgesetz – Handlungsleitfaden für Schulen

Wie geht eine Schule mit dem Drogenkonsum von Schülerinnen oder Schülern um? Der § 13 Abs. 1 SMG verpflichtet Schulen, jungen Menschen, die illegale Suchtmittel missbrauchen, gezielte Hilfe anzubieten. Der Konsum von legalen und illegalen Suchtmitteln kann an einer Schule nicht toleriert werden, denn es gibt einerseits klare rechtliche Vorgaben und andererseits sind die schulischen Anforderungen mit dem Konsum von Suchtmitteln nicht vereinbar. Bei einem begründeten Verdacht auf den Suchtmittelkonsum muss nach einem Ablaufplan auf Basis des Suchtmittelgesetzes gehandelt werden: Das Gesetz ermöglicht zu helfen ohne zu strafen, ohne Anzeige, ohne Diskriminierung.

Ziel ist es, den betroffenen Schülerinnen und Schülern angemessene Unterstützung zu bieten, die hilft einen Schulabschluss zu erreichen und weitere eventuell problematische Konsumentwicklungen zu verhindern. Grundlage dafür ist ein schulisches Krisenmanagement auf Basis der rechtlichen Vorgaben. Dabei hilft der Handlungsleitfaden (PDF), den das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung unter Mitwirkung der Fachstellen für Suchtprävention einen Leitfaden veröffentlicht hat.

Zur Früherkennung und Intervention bei Verhaltensauffälligkeiten im Vorfeld von Suchtproblemen steht außerdem das Programm STEP BY STEP für der Lehrkräfte über die regionalen Suchtpräventionsstellen zur Verfügung.

Bild: CC0 über pixabay.com

Gemeinsam stark werden – das neue Lebenskompetenzprogramm für die Volksschule

Kinder und Jugendliche sind im Laufe ihrer Entwicklung mit vielen Entwicklungsaufgaben und Herausforderungen konfrontiert. Lebenskompetenzen (Life Skills), wie die Fähigkeiten Probleme zu lösen, mit Stress und Gefühlen umzugehen oder mit anderen in Beziehung zu treten, unterstützen sie dabei. Bereits in den 1980er Jahren wurde das „Life Skills“-Konzept entwickelt und kam seither in vielen Bereichen der Gesundheitsförderung zum Einsatz. In Österreich ist die Lebenskompetenzförderung vor allem in der schulischen Suchtprävention gut etabliert. Diese Programme können Kinder und Jugendliche in einer positiven psychosozialen Entwicklung unterstützen und einen Beitrag zur Sucht-, Gewalt- und Suizidprävention leisten. Besonders wirksam sind sie dann, wenn sie regelmäßig angeboten und durch strukturelle Maßnahmen ergänzt werden. (vgl. Gesundheitsförderung in Settings – ein bewährter Ansatz der Gesundheitsförderung )

Mit Beginn des Schuljahres 2018/2019 wurde „Eigenständig werden“, das Lebenskompetenzprogramm für die Volksschule, von „Gemeinsam stark werden“ abgelöst. „Gemeinsam stark werden“ richtet sich an Schülerinnen und Schüler der 1.-4. Schulstufe. Es enthält 46 Lehreinheiten mit über 200 Übungen zur Förderung der personalen und sozialen Kompetenzen aus den Bereichen:

  • Selbstwahrnehmung und Einfühlungsvermögen
  • Selbstfürsorge, Entspannungs- und Genussfähigkeit
  • Umgang mit Stress und herausfordernden Emotionen
  • Entscheidungs- und Problemlösefähigkeiten
  • Kreatives und kritisches Denken
  • Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit
  • Selbstkenntnis und Selbstbehauptung
  • Umgang mit Differenzen
  • Fähigkeit zur Wertverwirklichung
  • Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme

Das Programm „Gemeinsam stark werden“ wird als Weiterbildung für alle Lehrerinnen und Lehrer der 1.-4. Schulstufe angeboten. Es umfasst eine Schulung für Lehrpersonen (24 Unterrichtseinheiten), Unterlagen in Form einer Mappe mit 46 Unterrichtseinheiten und Arbeitsmaterial, sowie ein Handbuch als Arbeitshilfe für die Lehrkräfte. Das Programm wird von allen regionalen Fachstellen für Suchtprävention angeboten:

Weitere empfehlenswerte Programme zur Lebenskompetenzförderung sind:

12 Bilder von Tellern mit gesunden, pflanzenbasierten Mahlzeiten

Mehr Obst und Gemüse fördern die Gesundheit von Mensch und Umwelt

12 Bilder von Tellern mit gesunden, pflanzenbasierten Mahlzeiten

Bildquelle: Summary Report of the EAT-Lancet Commission

Wie sollten Ernährung und Nahrungsmittelproduktion aussehen, so dass sie die wachsende Weltbevölkerung gesund ernähren kann und gleichzeitig mit den Ressourcen unseres Planten nachhaltig wirtschaftet? Die EAT-Lancet Kommission hat 37 führende Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus 16 Ländern verschiedener Disziplinen, zum Beispiel Gesundheit, Landwirtschaft, Politik und Ökologie, eingeladen, Ziele für eine gesunde Ernährung und eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion zu entwicklen. Die Empfehlungen der Expertengruppe wurden vor kurzem nun in einer Studie präsentiert.

Eine Ernährung auf der Basis von pflanzlichen Lebensmitteln mit weniger Nahrungsmitteln tierischer Herkunft nützt sowohl der Gesundheit als auch der Umwelt, betont die Forschergruppe. Um den angestrebten Wandel zu einer gesunden Ernährung bis 2050 zu erzielen, müssten sich Ernährungsgewohnheiten stark verändern. So sollte sich der Konsum von gesunden Nahrungsmitteln wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen mehr als verdoppeln. Gleichzeitig sollte – vor allem in den reicheren Ländern – deutlich weniger von weniger gesunden Lebensmitteln wie Zucker und rotem Fleisch verzehrt werden. Eine solche Veränderung der bestehenden Ernährungsgewohnheiten hätte bedeutende gesundheitliche Vorteile und könnte viele ernährungsbedingte Erkrankungen und Millionen vorzeitiger Todesfälle pro Jahr verhindern.

Eine pflanzenbasierte Ernährung der Weltbevölkerung ist auch die Voraussetzung für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion. Gleichzeitig müssten aber auch Lebensmittelverlust und –verschwendung reduziert werden; zudem seien Verbesserungen der Produktionstechniken notwendig, meinen die Experten, um mit Land- und Wasserressourcen schonend umzugehen und die Klimaziele der Pariser Vereinbarungen erreichen zu können.

Zum Weiterlesen:
Food in the Anthropocene: the EAT–Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems

Globale Ernährungsumstellung wäre gesund für Körper und Umwelt (APA Science)

Österreichs Fleischeslust (Wiener Zeitung vom 24.1.2019)

Psychische Gesundheit von Heranwachsenden und Beziehungsgestaltung in der Schule

Lehrerin mit Schülern

Zwei relativ aktuelle Studien geben über die psychosoziale Gesundheit von österreichischen Kindern und Jugendlichen Auskunft: die HBSC-Studie (Health Behaviour in School-aged Children Study) und die MHAT-Studie (Mental Health in Austrian Teenagers Study). Laut diesen Untersuchungen erleben mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen Einschränkungen ihrer psychosozialen Gesundheit. Die häufigsten Belastungen sind Angststörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, depressive Verstimmungen sowie Einschlafschwierigkeiten, Nervosität oder ein allgemein schlechter Gefühlszustand. Kinder und Jugendliche mit eingeschränkter psychosozialer Gesundheit sind mit ihrer Lebensqualität weniger zufrieden. Erhalten sie nicht die notwendige Unterstützung, besteht das Risiko, dass sich psychische Probleme und Erkrankungen verfestigen und bis ins Erwachsenenalter anhalten können.

Schule beeinflusst die psychosoziale Gesundheit
Psychosoziale Gesundheit wird von individuellen Merkmalen ebenso beeinflusst wie von sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und natürlichen Umweltfaktoren. Die Lebenswelt Schule ist ein bedeutsamer Einflussfaktor, der sich nachweislich auf die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern auswirkt. Die PISA-Ergebnisse von 2015 (OECD, 2017) zeigen beispielsweise, dass es sowohl für das Wohlbefinden und die Lernleistungen von Kindern und Jugendlichen entscheidend ist, ob sie sich in der Schule akzeptiert, gerecht behandelt und unterstützt fühlen. Als Risikofaktoren gelten dagegen fehlende Wertschätzung, Schikanen oder Demütigungen durch Lehrkräfte oder Mitschülerinnen und Mitschüler.

Psychosoziale Gesundheitsförderung und Beziehungsgestaltung in der Schule
Die Förderung psychosozialer Gesundheit hängt eng mit dem eigentlichen Kerngeschäft der Schule, Bildung und Erziehung, und der Unterstützung der Schülerinnen und Schüler bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben zusammen. Erfolgversprechende Maßnahmen orientieren sich am „whole-school-approach“, beziehen also die gesamte Schule, alle Beteiligten und alle Aspekte des Schulalltags mit ein, und fokussieren u.a. auf:

  • den erfolgreichen Umgang mit heterogenen Lerngruppen;
  • den konstruktiven Umgang mit Konflikten und die Prävention von Gewalt;
  • der Schaffung eines geordneten Unterrichts, der möglichst frei von unerwünschten Störungen ist;
  • der Unterstützung von Schülerinnen und Schülern bei Lernproblemen;
  • die Förderung von sozialen und Lebenskompetenzen;
  • die Etablierung eines guten Schul- und Klassenklimas;
  • den Aufbau partizipativer Strukturen.

In der Schule stehen viele Menschen miteinander in Beziehung: die Schülerinnen und Schüler, die Lehrpersonen, die Schulleitung, die Eltern und Erziehungsberechtigten und nichtunterrichtenden Personen wie z.B. die Schulärztin/der Schularzt. Ein Großteil dieser Beziehungen ist nicht freiwillig entstanden; Probleme im Umgang miteinander sind daher nichts Ungewöhnliches, können jedoch erfolgreiches Lehrern und Lernen behindern. Da Lehren und Lernen nicht nur auf der Sach-, sondern auch der Beziehungsebene stattfindet, ist die positive Gestaltung dieser Beziehungen wichtig für ein gutes Lern- und Arbeitsklima.

Respekt, Anerkennung, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und wertschätzender Umgang miteinander sind die Grundlagen guter Beziehungen. Fragt man Kinder und Jugendliche danach, was ihnen an der Beziehung zu ihrem Lehrer und zu ihrer Lehrerin wichtig ist, werden drei Aspekte genannt: Gerechtigkeit, pädagogische Fähigkeiten und persönliches Eingehen auf den Schüler, die Schülerin. Es ist gut belegt, dass stabile Beziehungen in der Schule einen positiven Einfluss auf das psychische und soziale Wohlbefinden von Schülerinnen/Schülern und Lehrpersonen haben. Sie geben Sicherheit und bieten Hilfe und Orientierung bei Problemen. Sie sind vor allem in Übergangszeiten (z.B. bei Schuleintritt, Schulwechsel, in der Pubertät) eine wichtige Ressource. Im Zusammenhang mit erfolgreichem Lehrern und Lernen sind gute Beziehungen u.a. bedeutend für:

  • Motivation und Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler;
  • positives Sozialverhalten und Soziales Lernen;
  • ein gutes Klassen- und Schulklima;
  • eine Verringerung von Schulangst, Schulabbruch und -absentismus;
  • eine hohe Identifikation und ein hohes Engagement von Lehrpersonen, Kindern, Jugendlichen und Eltern mit der Schule;
  • die Verminderung von Konflikten und Disziplinproblemen;
  • die Arbeitszufriedenheit der Lehrpersonen und der Schulleitung.

Wo ansetzen?
Schulgemeinschaften können auf vielfältige Weise zu einer guten Beziehungsgestaltung beitragen. Dabei ist es sinnvoll, auf mehreren Handlungsebenen anzusetzen. Maßnahmen sollten langfristig angelegt werden, um nachhaltige Wirkung zu erzielen, und möglichst viele Lehrerinnen und Lehrer sollten aktiv darin mitarbeiten oder das Thema unterstützen. Zu den wichtigsten Ansatzpunkten auf Ebene der Organisation und der Strukturen zählen:

Schulleitung
Bei der Beziehungsgestaltung spielt die Schulleitung naturgemäß eine wichtige Rolle. Sie schafft die Basis für ein Schulklima, das Sicherheit gibt, Toleranz und Respekt fördert. Ihre eigene Haltung und ihre Vorbildwirkung sind dabei ein wesentlicher Einflussfaktor. Darüber hinaus ist es zielführend, wenn Schulleitungen beispielsweise in die Stabilität des Lehrkörpers investieren, eine Willkommenskultur für neue Schülerinnen, Schüler und Lehrerpersonen etablieren und einen motivierenden Führungsstil pflegen.

Klassengemeinschaft und Klassenführung
Wie Lehrerinnen und Lehrer ihren Unterricht gestalten, hat großen Einfluss darauf, ob Kinder und Jugendliche gerne in die Schule gehen oder gar Angst vor der Schule empfinden. Kooperative Lernformen, eine Unterrichtsstruktur mit klaren Botschaften, was der Lehrer/die Lehrerin von den Schülerinnen und Schülern erwartet und eine angemessene Leistungserwartung sind Beispiele einer beziehungsfreundlichen und gesundheitsförderlichen Unterrichtsgestaltung. Dazu zählen auch eine positive Fehler- und Feedbackkultur und Unterstützung für Schülerinnen und Schüler beim Lernen.

Zusammenarbeit mit Eltern
Eltern haben eine andere Sichtweise darauf, was in Schulen geschieht. Es gehört zu den Aufgaben der Lehrkräfte, sich um den Aufbau von vertrauensvollen und von gegenseitigem Respekt geprägten Beziehungen zu bemühen. Gute Beziehungen können entstehen, wenn es gelingt, Eltern das Gefühl zu geben, an der Schule willkommen zu sein. Ein wesentlicher Punkt ist dabei eine funktionierende Informationsweitergabe und Möglichkeiten rasch und unkompliziert mit der Schule in Kontakt zu treten.

Partizipative Strukturen
Die Lebenswelt Schule bietet verschiedene Möglichkeiten, Schülerinnen und Schüler in Entscheidungen einzubinden, ihnen Mitspracherecht zu geben und sie tatsächlich mitentscheiden und mitgestalten zu lassen. Für Schülerinnen und Schüler ist es wichtig, dass sie das Gefühl haben, ihr Lehrer/ihre Lehrerin schätzt ihre Meinung und nimmt sie ernst. Beispiele für partizipative Strukturen sind Beteiligungsmöglichkeiten bei der Unterrichtsgestaltung, die Planung und Mitgestaltung von schulbezogenen Festen oder das Einrichten eines Klassenrates.

Mehr zum Thema:
GIVE (2018): Gute Beziehungen in der Schule. Beziehungsgestaltung, psychosoziale Gesundheit und Lernerfolg. Format A4, 48 Seiten.

Bild: © Robert Kneschke – Fotolia.de

Übergänge bewältigen, Zugehörigkeit entwickeln

Knapp 85.000 Taferlklassler haben vor kurzem ihre Schullaufbahn begonnen, fast ebenso viele Kinder (ca. 82.000) haben von der Volksschule in eine Schule der Sekundarstufen gewechselt. Dazu kommen noch die Schülerinnen und Schüler, die nach der 8. oder 9. Schulstufe in eine weiterführende Bildungsinstitution oder Ausbildung umsteigen. Sie alle müssen mit den tiefgreifenden Veränderungen, die sie mit dem Schuleintritt, dem Schulwechsel oder dem Eintritt ins Berufsleben erwarten, zurechtkommen.

Die offensichtlichsten Veränderungen betreffen die schulischen Anforderungen. Erstklässler müssen sich erst an den strukturierten Vormittag mit Unterrichtseinheiten gewöhnen. Für die älteren Kinder und Jugendlichen bedeutet jeder Wechsel in eine weiterführende Schule neue und ungewohnte Aufgaben, die mehr Aufmerksamkeit und erhöhten Aufwand erfordern. Daneben gilt es, sich in einer neuen Umgebung und in einem nicht vertrauten sozialen Umfeld zurechtzufinden: Die Lehrerinnen und Lehrer sind ebenso fremd wie die meisten Mitschülerinnen und Mitschüler. Die neue Klasse muss sich erst kennenlernen und zusammenfinden.

Schüler und Schülerinnen, die das Gefühl haben, dass sie dazugehören, dass sie von Lehrkräften und Gleichaltrigen geschätzt und geachtet werden, können sich besser auf das Lernen einlassen. Sie zeigen weniger häufig problematisches Verhalten, sind sicherer in sozialen Interaktionen und bilden leichter Freundschaften. Sie haben eine positive Einstellung zum Unterricht und zu ihren Lehrkräften, sind ausdauernder bei Lernschwierigkeiten und zeigen generell bessere Lernerfolge.

Wie man Kinder und Jugendliche unterstützen kann
Wie lange Eingewöhnungsphasen dauern, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Einige Kinder finden sich rasch zurecht, bei anderen kann dieser Prozess auch bis zu zwei Jahre dauern. Geduld und Einfühlungsvermögen sind gefragt, wenn der Schulalltag nicht sofort gut läuft oder die Leistungen zu Beginn zu wünschen übrig lassen. Besonders Schulanfänger müssen mit sehr vielen neuen Eindrücken und Herausforderungen fertig werden. Eltern können ihre Kinder unterstützen, indem sie für einen strukturierten Tagesablauf auch außerhalb der Schule sorgen, aufmerksam zuhören und trösten und ermutigen, wenn es Probleme gibt.

Programme aus den USA versuchen Übergangsphasen zu erleichtern, indem Schülerinnen und Schülern vermittelt wird, dass Gefühle der Fremdheit und Orientierungslosigkeit in der Zeit der Eingewöhnung völlig normal sind und mit der Zeit nachlassen. So können zum Beispiel Berichte von älteren Schülern und Schülerinnen über ihre erste Zeit an der Schule, über ihre Erfahrungen in der Eingewöhnungsphase und über die Dauer dieser Übergangszeit für die Neulinge hilfreich sein. Die Schulanfänger können dann ihre eigenen Erfahrungen niederschreiben und mit den Berichten der Vorgängergeneration vergleichen; außerdem können von ihren Darstellungen die nächsten Jahrgänge profitieren.

In eine ähnliche Richtung gehen Mentoring- oder Buddy-Programme. Dabei nehmen ältere Schülerinnen und Schüler die Neulinge unter ihre Fittiche, stehen für Fragen zur Verfügung und begleiten durch die Eingewöhnungsphase. Buddy-Systeme haben sich in allen Schultypen und Altersgruppen bewährt – von der Grundschule bis zur Universität.

Wenn die Eingewöhnungsphase ungewöhnlich lang dauert und sich Heranwachsende in der neuen Schule, der neuen Klasse überhaupt nicht wohl fühlen, kann ein Beratungsgespräch mit einem Schülerberater, einer Schülerberaterin, einer Beratungslehrkraft oder der Schulpsychologin, dem Schulpsychologen hilfreich sein. Einen Überblick über Beratungssysteme in und für Schulen bietet die gleichnamige Broschüre des Bildungsministeriums.

Linktipps:
GIVE-Blog: Als Klasse zusammenfinden.
kontakt & co: Tools4Schools – Wir werden eine Klassengemeinschaft

Literatur:
Gesundheit.gv.at: Psychologische Tipps zum Schulstart.
URL: https://www.gesundheit.gv.at/aktuelles/archiv-2010/psycholog-tipps-schule-hk (11.9.2018)
Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Übergänge bruchlos gestalten.
URL: https://www.zukunftsschulen-nrw.de/cms/front_content.php?idcat=275 (11.9.2018)
Romero, C. (2015): What We Know About ‚Belonging from Scientific Research.
URL: http://mindsetscholarsnetwork.org/wp-content/uploads/2015/09/What-We-Know-About-Belonging.pdf (11.9.2018)

Sie wissen, worauf es ankommt: Gesunde Schule-Profis im Interview, Teil 2

Gesundheit ist eine wichtige Ressource für alle Schulen. Gesundheitlich belastete Schülerinnen und Schüler sind in ihrer Lern- und Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Lehrerinnen und Lehrer, die sich unwohl und krank fühlen, sind oft nicht in der Lage, ihren beruflichen Anforderungen gerecht zu werden. Es gibt viele gute Gründe, warum Gesundheit ein Thema für Schulen sein kann, und Gelingensbedingungen und Erfolgsfaktoren, die schulische Gesundheitsförderung wirkungsvoll machen.

Im zweiten Teil unserer Serie „Sie wissen, worauf es ankommt“ sprechen wir mit Mag. Dr. Christine Winkler-Ebner. Sie betreut das Netzwerk „Gesundheitsförderung an Salzburgs Schulen“ bei AVOS, das seit 12 Jahren Schulen auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit unterstützt.

GIVE: Liebe Christine, Gesundheit und Gesundheitsförderung ist vielen Schulen ein wichtiges Anliegen. Wie schaut für dich eine gesunde Schule aus?

Christine Winkler-Ebner: In einer Gesunden Schule ziehen alle Beteiligen (SchülerInnen, LehrerInnen, Eltern, nicht-pädagogisches Personal) an einem Strang. Die Gesundheit bzw. Gesundheitsförderung wird im täglichen Tun verankert, d.h. in schulischen Abläufen, im Unterricht, in der Pause. Sei es die bewegungsanregende Gestaltung des Schulhofs oder im Schulgebäude, das Anlegen eines Hochbeetes – pflanzen und ernten – oder das Erarbeiten von Schul- und Klassenregeln als Basis für ein friedvolles Miteinander. Gemeinsame Aktivitäten und gemeinsames Gestalten fördern nicht nur das Schulklima, sondern auch die Gesundheit. Eltern bringen sich aktiv ein und entlasten so auch die Lehrpersonen.

GIVE: Welchen Vorteil haben deiner Meinung nach Schulen, wenn sie sich mit Gesundheit beschäftigen?

Christine Winkler-Ebner: Das Bewusstsein für die eigene Gesundheit und das Erkennen von Chancen und Möglichkeiten, die Gesundheit zu verbessern, steigt. Es entsteht immer wieder ein AHA-Erlebnis, wenn einem bewusst wird, wie man mit kleinen Veränderungen etwas bewirken kann. Z.B. eine Pädagogische Konferenz startet mit einem gemeinsamen Essen, Austausch, bevor es mit der eigentlichen Arbeit losgeht. Oder das Einführen von Ruhe- und Rückzugsräumen, die sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrpersonen nutzen können.

GIVE: Auf welche Stolpersteine müssen Schulen deiner Erfahrung nach achten, wenn sie sich auf diesen Prozess einlassen?

Christine Winkler-Ebner: Unsere Devise ist immer: Schritt für Schritt und gemeinsam, Aufgaben gut koordinieren und das Wissen und die Kompetenz aller bündeln. Da entsteht am meisten und wir von AVOS unterstützen hier die Schulen bei dem Prozess in verschiedensten Projekten.

GIVE: Welche Angebote bietet das Netzwerk „Gesundheitsförderung an Salzburgs Schulen“ für Schulen?

Christine Winkler-Ebner: Das Netzwerk ist vielschichtig. Zum einen betreuen wir Initiativen wie Gesunde Volksschule, Bewegte und Gesunde Schule (NMS,PTS) sowie Fokus Ernährung | Gemeinschaftsverpflegung, welche die Schulen in Anspruch nehmen können und eine intensivere Begleitung erfahren. Wir koordinieren und verwalten darüber hinaus ein Anbieter-/Partnernetzwerk Gesunde Schule, in dem Institutionen sowie EinzelanbieterInnen als ExpertInnen mit ihren gesundheitsförderlichen Angeboten den Schulen zur Verfügung stehen. Einerseits fließen die Angebote in unsere Projekte mit ein, andererseits können sich alle interessierten Schulen über Angebote zur schulischen Gesundheitsförderung informieren und diese auch nach der Projektphase nutzen.

GIVE: Was machst du persönlich am liebsten für deine Gesundheit?

Christine Winkler-Ebner: Ich bin sehr gerne in der Natur, Bergsteigen, Radfahren – am besten mit der Familie und FreundInnen.

GIVE: Vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt:
Mag. Dr. Christine Winkler-Ebner
Bereichsleitung Gesundheitsförderung
AVOS – Arbeitskreis für Vorsorgemedizin GmbH
winkler-ebener@avos.at
www.avos.at und http://gesundeschule.salzburg.at

Logo "10 Jahre Gesunde Schule"

Sie wissen, worauf es ankommt: Gesunde Schule-Profis im Interview

Gesundheit ist eine wichtige Ressource für alle Schulen. Gesundheitlich belastete Schüler/innen sind in ihrer Lern- und Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Lehrerinnen und Lehrer, die sich unwohl und krank fühlen, sind oft nicht in der Lage ihren beruflichen Anforderungen gerecht zu werden. Es gibt viele gute Gründe, warum Gesundheit ein Thema für Schulen sein sollte, und Gelingensbedingungen und Erfolgsfaktoren, die schulische Gesundheitsförderung wirkungsvoll machen.

Logo "10 Jahre Gesunde Schule"Das Programm „Gesunde Schule“ der Initiative „Tut gut!“ in Niederösterreich begleitet und betreut seit 10 Jahren Schulen auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit. Wir sprechen heute mit Programmleiterin Inge Gerstl, MA.

GIVE: Liebe Inge, Gesundheit und Gesundheitsförderung ist vielen Schulen ein wichtiges Anliegen. Wie schaut für dich eine gesunde Schule aus?

Inge Gerstl: Für mich gibt es nicht DIE gesunde Schule, sondern unglaubliche viele verschiedene Variationen. Aber eines haben für mich all diese Schulen gemeinsam – das positive, angenehme Schulklima, welches man beim Beschreiten der Schule empfindet. Ich finde, man spürt relativ schnell, ob ein wertschätzender Umgang untereinander herrscht, ob alle gerne hier sind und ob sie Freude am Tun haben und das wirkt sich dann auch auf ihre Gesundheit aus.

GIVE: Welchen Vorteil haben deiner Meinung nach Schulen, wenn sie sich mit Gesundheit beschäftigen?

Inge Gerstl: Sehr viele. Einerseits kann sich jede/jeder individuell für sich und ihre/seine Gesundheit etwas mitnehmen und andererseits hat es positive Auswirkungen auf die gesamte Schule, das Schulklima und infolgedessen auch auf das Lehren und Lernen. Egal ob Pädagogin/Pädagoge, Schülerin/Schüler oder nicht unterrichtendes Personal, man ist so viel Zeit seines Leben in der Schule, deshalb finde ich gerade das Thema Gesundheit im Setting Schule besonders wichtig!

GIVE: Auf welche Stolpersteine müssen Schulen deiner Erfahrung nach achten, wenn sie sich auf diesen Prozess einlassen?

Inge Gerstl: Ein großer Stolperstein ist manchmal, dass sich nur eine oder wenige Personen für das Thema an der Schule einsetzen und dann natürlich die gesamte „Arbeit“ bei ihnen bleibt. Das kann sich in Folge dann demotivierend und belastend auf die Gesundheit auswirken. Ich finde jede Schule sollte sich im Team gut überlegen, welche gesundheitsförderlichen Maßnahmen sie angehen wollen, aber auch welche sie eventuell weglassen. Besser eine Maßnahme und jede/jeder hat Freude daran, als zehn und alle sind ausgebrannt.

GIVE: Welche Angebote bietet die Initiative „Tut gut!“ für Schulen?

Inge Gerstl: Das Programm »Gesunde Schule« in Niederösterreich unterstützt Schulen der Sekundarstufe 1 dabei, die Gesundheit aller Beteiligten zu stärken. Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, Lehrerinnen und Lehrern sowie allen am Schulleben Beteiligten soll gefördert werden. Gleichzeitig werden der Bildungs- und Erziehungsauftrag unterstützt, die Leistungsfähigkeit erhöht und somit der Lehr- und Lernerfolg gefördert. Somit werden letztendlich auch das Wohlbefinden und das Image der Schule gesteigert. Konkret werden unsere Programmschulen von einer Gesunde Schule Beraterin begleitet, welche sie dabei unterstützt, schulspezifische Maßnahmen festzulegen und diese erfolgreich umzusetzen.

GIVE: Was machst du persönlich am liebsten für deine Gesundheit?

Inge Gerstl: Sport, am besten mit Freund oder Freundinnen, als Ausgleich zum vielen Sitzen und zum Abschalten. Wenn möglich auch viel Zeit mit Familie und Freunden verbringen, um über Gott und die Welt zu plaudern und über viel Blödsinn lachen zu können. 

GIVE: Vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt:
Inge Gerstl, MA
Bereich Bildung, Initiative „Tut gut!“
NÖ Gesundheits- und Sozialfonds
inge.gerstl@noetutgut.at
www.noetutgut.at

Geld für die Schule – Möglichkeiten und Grenzen

Projekte, Maßnahmen zur Schulraumgestaltung oder nötige Unterstützung durch externe Beraterinnen – Schulen stoßen aus ganz unterschiedlichen Gründen an ihre finanziellen Grenzen. Gleichzeitig werden bestehende Förderangebote oft nicht genutzt. Ein bedachter Umgang mit Sponsoring und Werbung sowie die Beantragung von Fördermitteln kann Schulen helfen, die nötigen finanziellen Ressourcen aufzustellen. Weiterlesen