Schulen gesund leiten

Ein Kompass

© Verena Münch – pixelio.de

Schulleiterinnen und Schulleiter haben eine Schlüsselposition in der Schule inne. Sie haben eine Fülle von Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die das reibungslose Funktionieren der Organisation Schule sicherstellen. Diese Leitungs- und Führungsaufgaben können und sollten so gestaltet werden, dass sie die Gesundheit und das Wohlbefinden aller Beteiligten – der Lehrkräfte, der Schülerinnen und Schüler und natürlich auch der Schulleitung selbst – unterstützen und fördern.

Rolle der Schulleitung

Zu den Aufgaben und Verantwortungsbereichen von Schulleiterinnen und Schulleitern gehören die Leitung und das Management der Schule. Er/sie ist Vorgesetzte/r der an der Schule unterrichtenden Lehrkräften und verantwortlich für die Personalentwicklung. Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie das Qualitätsmanagement sind Aufgabenbereiche der Schulleitung, genauso wie die Gestaltung des Schullebens, der Schulpartnerschaft und der Beziehungen nach außen.

Das Bundesministerium für Bildung beschreibt das Aufgabenprofil von Schulleitungen.

Gesundheitsfördernde Schulkultur

Eine Schulkultur, die die Gesundheit und das Wohlbefinden aller fördert, wird immer von der gesamten Schulgemeinschaft gestaltet. Dennoch kommt der Schulleitung dabei eine besondere Rolle zu. Denn welchen Umgang miteinander, welchen Kommunikationsstil der Schulleiter, die Schulleiterin vorlebt, gutheißt oder ablehnt, das hat entscheidenden Einfluss darauf, welches soziale Miteinander in der Schule täglich gelebt wird. Gerade wenn in diesem Bereich Verbesserungen gewünscht werden, sind der Anstoß, die dauerhafte Unterstützung der Umsetzungsmaßnahmen und die Vorbildwirkung durch die Schulleitung wesentlich für das Gelingen eines Wandels.

Wie sieht eine gesundheitsfördernde Schulkultur aus?

  • Alle Personen, die am Schulleben beteiligt sind, Erwachsene und Heranwachsende, Lehrkräfte und Lernende gehen respektvoll und wertschätzend miteinander um.
  • Soziale Unterstützung, Zusammenarbeit und gegenseitiges Helfen sind selbstverständlich.
  • Feedbackmöglichkeiten gibt es auf allen Ebenen.
  • Bei Konflikten wird nach Lösungen gesucht, bei Bedarf auch durch Mediation.
  • Die Zugehörigkeit zur Schulgemeinschaft wird bekräftigt, z.B. durch gemeinsame Feste.
  • Im Kollegium:
    • Entscheidungen und Beschlüsse werden partizipativ getroffen und transparent kommuniziert.
    • (Pädagogische) Ziele und Werte werden gemeinsam erarbeitet und sind für das Handeln leitend.
    • Arbeitsaufgaben und Rollen sind klar definiert und gerecht verteilt.
    • Teamarbeit und Kooperation werden gefördert.
  • Mit den Schülerinnen und Schülern:
    • Schülerinnen und Schüler wissen, welche Leistungen von ihnen erwartet werden.
    • Die Lehrkräfte zeigen Schülern und Schülerinnen, dass sie ihnen zutrauen, diese Leistungen auch erbringen zu können.
    • Es ist transparent, nach welchen Kriterien Leistungen beurteilt werden.
    • Schwierige und/oder leistungsschwache SchülerInnen werden unterstützt und gefördert; sie erhalten die Botschaft: Wir lassen dich nicht hängen, sondern suchen nach Möglichkeiten, wie auch du es schaffen kannst.

Ein grundlegender Kulturwandel in Richtung einer gesundheitsfördernden Schulkultur entsteht nicht von heute auf morgen, sondern braucht Zeit zum Eingewöhnen und Üben. Wertschätzende Kommunikation und Fertigkeiten im Umgang mit Konflikten können in Fortbildungen erlernt werden, am besten gemeinsam in einer SCHILF.

Linktipps, Methoden und Materialien:

Gesundheitsförderliches Leitungshandeln

Schulleiterinnen und Schulleiter haben als Führungskräfte einen wesentlichen Einfluss auf Arbeitszufriedenheit und Leistungsfähigkeit ihrer MitarbeiterInnen. Eine mitarbeiterorientierte und wertschätzende Führung ist eine wirksame Ressource für erfolgreiches Leitungshandeln und reduziert gesundheitliche Belastungen für Lehrkräfte und Schulleitung.

Mitarbeiterorientiertes Leitungshandeln ist …

  • Eigenständigkeit und Autonomie der Lehrkräfte in ihren Arbeitsaufgaben zu fördern;
  • zu Kooperation und Teamarbeit zu ermutigen, bei Bedarf die Beteiligten für Teamarbeit zu qualifizieren;
  • sozialen Zusammenhalt und Zugehörigkeit zu fördern, Gelegenheiten zur Kommunikation und zur Kooperation schaffen (materiell und zeitlich);
  • bei Planungs- und Entscheidungsprozessen die MitarbeiterInnen zu beteiligen;
  • die anfallenden Aufgaben und Ämter gerecht zu verteilen;
  • die schulinternen Abläufe und Prozesse für alle Beteiligten transparent und nachvollziehbar zu machen.

Wissenschaftliche Forschung wie z.B. die Hirnforschung und die Lehr- und Lernforschung zeigen, dass Wertschätzung und Interesse die wichtigsten Faktoren für Wohlbefinden, Motivation und Leistungsfähigkeit sind. Eine unterstützende Schulleitung erkennt die Stärken von Lehrern/Lehrerinnen und Schülern/Schülerinnen. Sie trachtet danach, ein Umfeld zu schaffen, in der alle ihre Potenziale entwickeln und wachsen können.

Gesundheitsmanagement

Unter dem Begriff „Gesundheitsmanagement“ werden diejenigen Aspekte der Leitungsverantwortung zusammengefasst, die Gesundheit, Gesundheitsförderung und Prävention betreffen. Handlungsbereiche des Gesundheitsmanagements sind:

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sowie Unfallverhütung

Die Schulleiterin, der Schulleiter ist zuständig für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz von Lehrpersonen und Schülerinnen/Schülern. Es gilt Belastungen und Gefährdungen zu erkennen und zu vermeiden sowie die rechtlichen Vorgaben zur Arbeitssicherheit umzusetzen.

Gesundheitsförderung

Gesundheitsförderung und Prävention sind ein Merkmal von Schulqualität und liegen damit im Verantwortungsbereich der Schulleitung. Maßnahmen zur Gesundheitsförderung sollen Gesundheitsressourcen erkennen und gezielt fördern. Das kann durch Interventionen, die die Gesundheitspotenziale von Individuen unterstützen und auf das Gesundheitsverhalten von Einzelpersonen einwirken, geschehen. Ebenso wichtig ist die Schaffung eines gesundheitsförderlichen Umfeldes, denn Umgebung und Rahmenbedingungen haben einen genauso großen Einfluss auf die Gesundheit wie das individuelle Gesundheitsverhalten.

Tipps

Krisen- und Notfallmanagement

Pläne für Krisen- und Notfälle, die bekannt und leicht zugänglich sind, erleichtern den Umgang mit Notfällen. Dazu gehören z.B. Notfallkoffer, Telefonlisten, Evakuierungspläne. Sinnvoll ist ein Erste-Hilfe-Ausbildungskonzept, am besten sowohl für Lehrkräfte als auch für Schülerinnen und Schüler.

Tipps

Selbstfürsorge für SchulleiterInnen

Entspanntes Strichmännchen mit Sprechblasen, die Symbole verschiedener Führungsaufgaben zeigen

© Trueffelpix – Fotolia.com

Es gibt nur wenige Daten über den Gesundheitszustand und das Gesundheitsverhalten von Schulleitern und Schulleiterinnen. Eine Untersuchung aus Deutschland zeigt, dass SchulleiterInnen, ähnlich wie LehrerInnen, am ehesten von emotionaler Erschöpfung und Burnout bedroht sind (Dadaczynski 2014). Verbreitet ist das Phänomen des Präsentismus, d.h. dass Schulleiter, Schuleiterinnen dazu neigen, bei Krankheit nicht zu Hause zu bleiben, sondern zur Arbeit gehen. Ein wesentlicher Aspekt einer gesunden Leitung ist daher auch die Selbstfürsorge, das Achten auf die eigene Gesundheit.

Umgang mit Stress

Persönliche Strategien zur Stressverminderung und ein konstruktiver Umgang mit akutem Stress helfen, die Gefahr der emotionalen Erschöpfung hintan zu halten. Dazu gehören ein realistisches Zeitmanagement und ein kluges Haushalten mit den eigenen Ressourcen. Wer bei Bedarf Pausen einlegt, sich gut erholen und vor allen Dingen eine klare Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit, zwischen Schule und privat ziehen kann, ist deutlich weniger burnout-gefährdet.

GIVE-Angebot

Delegieren

Niemand kann alles allein erledigen. Das Delegieren von Aufgaben entlastet die Schulleitung. Gleichzeit vergrößert es die Autonomie und die Handlungsspielräume für die Lehrkräfte und kann so positiv auf die Arbeitszufriedenheit und –motivation wirken. Das Übertragen von Aufgaben ändert jedoch nichts daran, dass die Schulleitung letztlich die Führungsverantwortung behält und immer für die Ergebnisse verantwortlich ist.

Material

Reflexion und Austausch

Die Leitung einer Schule ist eine anspruchsvolle und vielfältige Aufgabe. Regelmäßige Reflexion hilft, die eigene Rolle als Schulleiterin, als Schulleiter zu klären. Man kann das für sich selbst tun; dann ist es wichtig, dass man sich regelmäßig und systematisch dafür Zeit nimmt. Es gibt Coaching- und Beratungsangebote für SchulleiterInnen. Auch der Austausch mit anderen Personen in der gleichen Position ist hilfreich, z.B. bei Direktoren/innen-Tagen oder durch die aktive Vernetzung von SchulleiterInnen einer Region.

Linktipps, Methoden und Materialien:

Weiterführende Links

Quellen
  • Burow (2014): Wertschätzende Schulleitung. Wie Schulleiter Engagement, Wohlbefinden und Spitzenleistungen fördern können. In: Schulverwaltung NRW 12/2014.
  • Dadaczynski (2014): Schulleitung und Gesundheit. Zur gesundheitlichen Lage von Schulleitungen in NRW. Reihe: Prävention in NRW Nr. 53.
  • Department Gesundheit und Soziales Aargau (Hg., 2015): Gesundheitsförderung für Lehrpersonen und Schulleitungen. Ein Praxishandbuch als Beitrag zur Schulentwicklung.
  • Gesundheitsförderliches Leitungshandeln in der Schule. Hinweise für gute gesunde Schule. Reihe: Prävention in NRW Nr. 41.
  • Hundeloh (2012): Gesundheitsmanagement an Schulen. Prävention und Gesundheitsförderung als Aufgabe der Schulleitung.