Muskelkult – Leistungssteigerung und Selbstoptimierung bei jungen Männern

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Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und dem eigenen Aussehen ist bei Jugendlichen keine Seltenheit. Gerade in Zeiten der körperlichen Veränderungen sind Jugendliche oft verunsichert und daher empfänglich für Angebote und Maßnahmen, von denen sie annehmen, dass sie ihnen helfen, ihren Körper bzw. ihr Aussehen in gewünschtem Maße zu verändern. Tendieren Mädchen eher dazu der Schönheit wegen ihr Gewicht zu reduzieren, orientieren sich junge Männer häufig am vorherrschenden Ideal des muskulösen männlichen Körpers.

Der Wunsch nach dem perfekt modellierten Körper

Einer der Hauptgründe, warum junge Menschen ins Fitnessstudio gehen, ist der Wunsch den eigenen Körper zu optimieren und das Aussehen zu perfektionieren. Jungen Männern geht es dabei in erste Linie um Körpermodellierung, d.h. dem Aufbau von Muskelmasse und der Reduktion von Fettmasse. Durch den muskulösen Körper versprechen sich die Jugendlichen beispielsweise Respekt und Anerkennung in der Peer Group.

Um dieses Ziel möglichst rasch zu erreichen, werden Diäten eingehalten, einseitige Ernährungsweisen praktiziert, Nahrungsergänzungsmittel, Eiweißpräparate oder Fatburner konsumiert und Medikamente und leistungssteigernde Substanzen (z.B. Anabolika) eingenommen. Gleichzeitig verwenden die jugendlichen Kraftsportler und Bodybuilder immer mehr Zeit fürs Training und die Planung ihrer Mahlzeiten. Persönliche Kontakte werden reduziert und auf das Umfeld des Fitnessstudios beschränkt, weil dort Verhaltensauffälligkeiten besser ausgelebt werden können. Das Trainingsverhalten wird zu einem Zwang und der Konsum von Dopingsubstanzen nimmt suchtartige Formen an. Dass das veränderte Essverhalten bzw. die Einnahme von Substanzen negative Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden und die körperliche Gesundheit haben können, wird entweder ausgeblendet oder auch in vollem Bewusstsein in Kauf genommen. Bei diesem zwanghaften Verhalten spricht man auch von Biggerexie, Muskeldysmorphie oder Adoniskomplex.

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Leistungssteigerung – ein Phänomen, das alle Lebensbereiche betrifft

Die Einnahme von leistungssteigernden Substanzen sind Phänomene, die nicht nur den Sportbereich treffen, sondern längst in Beruf und Freizeit angekommen sind. Um trotz Überforderung oder gesundheitlicher Einschränkungen leistungsfähig zu bleiben, wird der Griff zu Medikamenten immer selbstverständlicher. Von Medikamentenmissbrauch spricht man, wenn Medikamente ohne entsprechende Indikation, in unangemessen hoher Dosierung oder länger als notwendig eingenommen werden. Wer über Doping spricht, sollte dabei auch den Widerspruch thematisieren, dass im Sportbereich Dopingverbote gelten, während im Alltag die Einnahme von Medikamenten und leistungssteigernden Mitteln (Neuro-Enhancement) ohne medizinische Indikation durchaus akzeptiert wird (vgl. DHS-Basisinfo Medikamente, PDF S. 5 ff).

Experten vermuten, dass Doping im Freizeit- und Breitensport mindestens genauso weit verbreitet ist wie im Leistungs- und Wettkampfsport. Gibt es im Leistungssportbereich Regeln und Sanktionen der Welt-Anti-Doping-Agentur, so fehlen diese Kontrollmechanismen im Freizeitsport bzw. täglich Leben völlig.

Was mit der Einnahme von relativ harmlosen Nahrungsergänzungsmitteln beginnt, endet in vielen Fällen beim Konsum von verschreibungspflichtigen Substanzen. Bei Rückschritten im Training oder um den Trainingserfolg weiter zu erhöhen, werden neue Mittel und Methoden gesucht, um die natürlichen Leistungsgrenzen des Körpers zu verschieben und körperliche Prozesse zu beschleunigen. Es geht einerseits um Fettab- und Muskelaufbau, andererseits ums Aufputschen und Schmerzlindern. Dopingmitteln wie Ephedrin, Clenbuterol, Anabolika, Wachstumshormonen oder sogar Tierarzneimitteln kommen zum Einsatz. An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass Steroide und Wachstumshormone auch von Anhängern des Fitness- und Gesundheitssports verwendet werden, wo es um den Erhalt von Gesundheit und „Jugendlichkeit“ geht (vgl. Körper-Tuning – Medikamentenmissbrauch im Fitness-Studio).

Gesundheitliche Gefahren von Anabolika und anderen Dopingmitteln

In Abhängigkeit von Alter, körperlicher Konstitution, Umfang des Konsums sind folgende negativen Wirkungen bekannt:

  • psychische Störungen (gesteigerte Aggressivität, Depressionen bis hin zu Wahnvorstellung)
  • Schlafstörungen
  • Unfruchtbarkeit
  • Vermännlichung des Körpers bei Frauen (z.B. Zunahme der Körperbehaarung)
  • Verweiblichung des Körpers bei Männern (z.B. Brustwachstum)
  • schwere Leber- und Nierenschäden
  • Bluthochdruck
  • starke Akne
  • Haarausfall
  • Hemmung des Längenwachstums
  • erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen.

Viele dieser negativen Folgen von Doping können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Mehr Infos zu Anabolika finden Sie auf dem Österreichischen Gesundheitsportal.

Ernährung für Sportler und Sportlerinnen

Hobbysportlerinnen und -sportler brauchen keine speziellen Kostformen. Für sie gelten die allgemeinen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung. Dennoch gibt es ein paar Punkte auf die Freizeitsportlerinnen und -sportler achten sollten:

  • Unmittelbar vor dem Sport auf schwere Speisen verzichten und keine großen Mengen essen.
  • Ausreichend Trinken – auch während des Sports; mindestens 2 l und mehr; je nachdem wie stark man schwitzt.
  • Gespritzte Fruchtsäfte (z.B. Apfelsaft + Wasser 1:2) sind ideale Durstlöscher – Isodrinks verzichtbar.
  • Energydrinks, Limonaden, reine Fruchtsäfte und Cola-Getränke sind aufgrund des Zucker- und Koffein-Gehalts ungeeignete Durstlöscher.
  • Bei Sportlerriegeln auf die Zusammensetzung achten. Viele dieser Snacks bringen hauptsächlich Kalorien in Form von Fett – eine Banane ist eine gute Alternative.
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Tipps für Lehrerinnen und Lehrer

Ansatzpunkte für die schulische Präventionsarbeit bieten die folgenden Themen:

  • Positiver Umgang mit dem eigenen Körper und körperlichen Veränderungen in der Pubertät
  • Kritische Diskussion von Schönheitsidealen, Rollenbildern und Werbebotschaften
  • Umgang mit Risiken (www.risflecting.at)
  • Konstruktiver Umgang mit Leistungsgrenzen, Krisen und Leistungsdruck
  • Aufklärung über Missbrauch von Medikamenten bzw. leistungssteigernden Substanzen
  • Reflexion des Essverhaltens
  • Förderung von Lebenskompetenzen.
Links und Materialien für die schulische Prävention

Maßnahmen im Verdachtsfall

(Vgl. Drogeninfo „Anabolika“ – PDF)

  • Bei Verdacht auf Anabolika-Konsum bei Jugendlichen gilt: sofort handeln!
  • Suchen Sie das Gespräch mit Eltern, (Turn-)Lehrer/innen oder Trainerinnen und Trainer.
  • Bestätigt sich der Verdacht: keine Dramatisierung, aber auch keine Verharmlosung.
  • Sprechen Sie nicht über Gefahren, sondern suchen sie gemeinsam nach Motiven und besprechen Sie Alternativen.
  • Holen Sie sich fachliche Unterstützung, z.B. bei den regionalen Fachstellen für Suchtprävention!

Tipp

Quellen
  • KRÜGER Michael (2012): Doping als Phänomen des Sports und Thema der Sportpädagogik. Sportunterricht, Schorndorf, 61 (2012), Heft 4, S. 99-105. PDF
  • KLÄBER Mischa (2010): Körper-Tuning. Medikamentenmissbrauch im Fitness-Studio. Sport und Gesellschaft, Stuttgart, Jahrgang 7/Heft 3, S. 213-235. PDF
  • KLÄBER Mischa (2012): Dopingaufklärungsarbeit an Schulen. Jugendlicher Körperkult zwischen Ess-Störungen und Medikamentenmissbrauch. Sportunterricht, Schorndorf, 61 (2012), Heft 4, S. 106-110. PDF
  • STEINMANN Annika (2012): Dopingprävention – Die Projektwoche Körperkult. Sportunterricht, Schorndorf, 61 (2012), Heft 4, S. 111-115.