Lebenskompetenzen fördern

© Heike Berse – pixelio

Sich selbst gut kennen und einschätzen können, mit anderen gut zurechtkommen, mit Stress oder Konflikten auf vielfältige Weise und kreativ umgehen können – alle diese Fähigkeiten sind „Life Skills“ oder Lebenskompetenzen. Die Förderung und Stärkung dieser persönlichen Ressourcen sind nicht nur ein wichtiges pädagogisches Ziel in der Schule, sondern auch die Basis von Gesundheitsförderung und Prävention.Wir haben für Sie Links und Literaturtipps zusammengestellt, die Ihnen das Konzept der Lebenskompetenzen näher bringen und Ihnen Programme zur schulischen Sucht- und Gewaltprävention vorstellen, die auf diesem Ansatz aufbauen. Und nicht zuletzt stehen GIVE-Materialien zu Verfügung, die die Förderung von Lebenskompetenz für Schulen praxisnah darstellen.

Risikofaktoren, Schutzfaktoren und der Lebenkompetenzansatz

Moderne Suchtvorbeugung zielt darauf ab, personale und soziale Ressourcen zu stärken und Risikofaktoren zu vermindern. Risikofaktoren sind persönliche Merkmale und soziale Umstände, die bei Kosumenten und Konsumentinnen von Substanzen und bei Abhängigen häufig anzutreffen sind, und von denen anzunehmen ist, dass sie sich auf eine Suchtentwicklung ungünstig auswirken.

Parallel dazu lassen sich Persönlichkeitsmerkmale und soziale Konstellationen identifizieren, die das Risiko einer Suchtentwicklung vermindern, also als Schutzfaktoren wirken. Schutzfaktoren sind zum Beispiel

  • Kommunikationsfähigkeit, Beziehungs- und Konfliktfähigkeit
  • Positives Selbstbild, realistische Selbsteinschätzung
  • Den eigenen Alltag gestalten können, sich selbst beschäftigen können
  • Erfahrung in der Bewältigung von Probleme
  • Gute Beziehungen zu den Eltern, feste emotionale Bezugspersonen
  • Gutes soziales Netz, stabile Freundschaften
  • Förderliches Klima in der Schule oder am Arbeitsplatz mit überschaubaren Strukturen und angemessenen Anforderungen (mod. nach: BMUKK 2012, S. 22)

Konzept der Lebenskompetenzförderung

Auf diesem Modell der Risiko- und Schutzfaktoren baut das Konzept der gezielten Förderung von Lebenskompetenzen auf. „Life Skills“ oder Lebenskompetenzen sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) „diejenigen Fähigkeiten …, die einen angemessen Umgang sowohl mit unseren Mitmenschen als auch mit Problemen und Stresssituationen im alltäglichen Leben ermöglichen“. Lebenskompetenzförderung will Kinder und Jugendliche in ihrem Selbstwert stärken, ihnen Strategien zum Umgang mit Stress und negativen Gefühlen an die Hand geben und sie ermutigen, auch einmal „Nein“ sagen und Gruppendruck widerstehen zu können.

Zum Weiterlesen

Lebenskompetenzförderung und Suchtprävention in der Schule

Lebenskompetenzprogramme sind universelle Maßnahmen, d.h. sie sind nicht für bestimmte Gruppen konzipiert, sondern richten sich an unspezifische Personengruppen, z.B. eine Schulklasse, deren Mitglieder ganz unterschiedliche individuelle Risikofaktoren und Vorerfahrungen haben können.

Erfolgreiche suchtpräventive Maßnahmen in der Schule bestehen immer aus der Förderung von Lebenskompetenzen kombiniert mit sachlich richtigen und altersangemessenen Informationen zu Substanzen und Sucht. Einseitige und übertriebene Darstellung von Substanzwirkungen und Suchtgefahren ist unglaubwürdig und kann kontraproduktiv wirken. Wichtig ist zudem ein gesundheitsförderlicher Schulalltag: ein gutes Klassen- und Schulklima, positive Beziehungen zu Lehrkräften und Mitschülern/Mitschülerinnen, überschaubare Strukturen und klare Regeln usw.

Programmangebote

In Österreich werden Programme zur Lebenskompetenzförderung für viele Altersgruppen und Schulstufen angeboten:

Die Lebenskompetenzprogramme können von Pädagogen und Pädagoginnen, die eine entsprechende Einschulung absolviert haben, selbstständig mit den bereitgestellten Materialien durchgeführt werden.

Materialien zur Lebenskompetenzförderung

Lebenskompetenzen und Suizidprävention

Suizid ist eine der häufigsten Todesursachen bei jungen Menschen bis 25 Jahren. Selbstwertstärkung, Verbesserung von Konflikt- und Problembewältigung und Förderung der Lebenskompetenzen ganz allgemein sind – neben Information und konreten Hilfen in akuten Krisen – wirksame Mittel zur Senkung der Suizidgefahr bei Jugendlichen. Programme zur Lebenskompetenzförderung können also ganz wesentlich zur Suizidprävention beitragen, besonders wenn sie mit sachlicher und enttabusierender Wissensvermittlung über Selbstmord kombiniert werden.

Wichtig ist außerdem ein unterstützendes und förderliches Umfeld in der Schule. So können Schulen mit klaren Regeln und Erwartungen an die Lernenden und mit einer Schulkultur, die destruktives Verhalten wie etwa Mobbing nicht duldet, zur Verringerung der Selbstmordgefahr beitragen. Ein weiterer bedeutender Faktor in der Suizidprävention sind Hilfe und Beratung für Schülerinnen und Schüler bei Problemen und Krisen;, z.B. durch Schulsozialarbeit vor Ort.

Suizidprävention in der Schule

Weitere Linktipps zum Thema Suizidprävention

GIVE-Materialien

  • akzente Salzburg – Fachstelle für Suchtprävention bietet Fortbildungen, Workshops, Projekte und Materialien für Salzburger Schulen an, darunter auch die Programme „Gemeinsam stark werden“ und „plus“.
  • Anton Proksch Institut ist ein Therapiezentrum zur Behandlung von Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängigkeit. Verschiedene Infofolder u.a. für LehrerInnen können von der Website heruntergeladen werden.
  • BAS – Betrifft Alkohol & Sucht ist ein Verein für Suchtkrankenhilfe in der Steiermark, der 9 Beratungsstellen betreibt und auch online Beratung anbietet.
  • Fachstelle NÖ Suchtprävention und Sexualpädagogik bietet inhaltliche und finanzielle Unterstützung, Weiterbildung für MultiplikatorInnen und stehen als Informationsquelle ExpertInnen zur Verfügung.
  • Info-Dealer – Substanzinfos und mehr ist eine Initiative des Instituts für Suchtprävention in Oberösterreich. Das Angebot für Jugendliche umfasst Substanzinfos, Peereducation, Schul-/Jugendexkursionen und Barfuss (Bar für antialkoholische Getränke).
  • Institut für Suchtprävention Linz ist die Fachstelle für Suchtprävention in Oberösterreich. Das Angebot umfasst Projekte, Vorträge, Fortbildungen, Bibliothek und Videothek und Infomaterialien. Letztere können bestellt oder von der Website heruntergeladen werden.
  • kontakt+co – Suchtprävention Jugendrotkreuz Tirol ist die Tiroler Fachstelle für Suchtprävention und vor allem in den Bereichen Schule, Jugendarbeit und Betriebe tätig. Sie bieten Infofolder zu zahlreichen Themen wie Alkohol, Cannabis aber auch Materialien für die Schule und Jugendarbeit zum Download an.
  • Landesstelle Suchtprävention der Kärntner Landesregierung bietet u.a. Programme und Workshops für Schulen an. Außerdem finden sich auf der Website kompakte Infos zu vielen aktuellen Aspekten von Sucht und Suchtprävention.
  • Österreichische ARGE Suchtvorbeugung Verein der Fachstellen der Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich, Kärnten, Wien und der Steiermark sowie Südtirols
  • step by step – Frühintervention in der Schule ist ein Angebot für LehrerInnen zur Früherkennung und Intervention bei Verhaltensauffälligkeiten im Vorfeld von Suchtproblemen.
  • Sucht- und Drogenkoordination Wien – Institut Suchtprävention hat eine Vielzahl von Angeboten für verschiedene Zielgruppen in unterschiedlichen Lebenswelten, dazu gehören besonders Angebote für junge Mensche, auch im Setting Schule.
  • Suchthilfe Wien gGmbH führt Maßnahmen zur sozialen, sozialtherapeutischen und medizinischen Betreuung von Drogenabhängigen und anderen Randgruppen durch. Speziell für Jugendliche aus der Rave- und Dance-Szene wurde das Projekt ChEck iT! entwickelt.
  • SUPRO – Werkstatt für Suchtprophylaxe Dornbirn ist die Suchtpräventionsstelle in Vorarlberg. Das Angebot umfasst Unterstützung bei der Projektplanung und Entwicklung, Materialverleih und Versand. Zu den Arbeitsbereichen zählen Familien, Betriebe, Jugend, Schule und Sport.
  • VIVID – Fachstelle für Suchtprävention Steiermark bietet Information und Service (Broschüren, Infoflyer …), Projektarbeit (z.B. Peer-Group Education), Bildungsangebote (Vorträge, Workshops …) und Kooperation.
  • Sucht und Suchtprävention international:
Quellen