Positive Körperbilder fördern

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Die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper und Aussehen ist für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ganz wesentlich. Kritik von außen und der Vergleich mit andern kann die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper verstärken. Hinzu kommt, dass unsere Gesellschaft sich stark an Bildern orientiert. Die Bilder in den Medien, im Internet, auf den Sozialen Plattformen stellen überwiegend hübsche, gut gestylte Menschen dar und sind meist stark bearbeitet. Wenn Kinder und Jugendliche dazu neigen, sich mit diesen Bildern zu vergleichen, können Selbstzweifel und Gefühle der Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper die Folge sein.

Studien belegen, dass viele Schülerinnen und Schüler mit ihrem Aussehen und ihrem Körper unzufrieden sind. Burschen schätzen sich als zu dünn ein; Mädchen halten sich meist für zu dick – egal, wie viel sie tatsächlich wiegen. Sich im eigenen Körper unwohl zu fühlen, hat negative Effekte auf die psychische Entwicklung von Kindern und Jugendliche – ganz besonders dann, wenn ihr Selbstwert gering ist.

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Körper und Aussehen

Hormonelle Veränderungen wirken sich in der Pubertät auf das Körperwachstum und das Aussehen von jungen Menschen aus. Die Körperproportionen und das Verhältnis von Muskeln zu Körperfett verändern sich. Primäre sowie sekundäre Geschlechtsmerkmale bilden sich heraus. Bei Mädchen kommt es wegen der Entwicklung weiblicher Formen zu einer Zunahme des Fettgewebes. Bei Burschen nimmt vor allem die Muskelmasse zu. Viele Jugendliche sind in dieser Phase verunsichert. Sie fragen sich, ob sich ihr Körper normal entwickelt. Die Identifikation mit Vorbildern und Peers, aber auch der Einfluss von Kultur und Gesellschaft spielen dabei eine wesentliche Rolle.

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Soziale Medien und Selbstdarstellung

Die Nutzung Sozialer Medien ist unter jungen Menschen weit verbreitet und gehört zu ihrem Lebens-alltag. Soziale Netzwerke bieten Jugendlichen eine Welt, wo sie eigene Identitäts- und Rollenentwürfe in der Peergroup testen können, um z.B. Reaktionen und Rückmeldung zur eigenen Attraktivität zu erhalten. Sie bieten ihnen vielfältige Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten. Dass dabei auch der Körper als Ausdrucksmittel eingesetzt wird, ist nicht neu. In der digitalen Welt sind Bilder ein wesentliches Mittel der Kommunikation. Sie helfen komplexe Informationen aufzubereiten. Sie erzeugen Aufmerksamkeit und sprechen Emotionen an. Das Teilen von Selfies und anderen Bildern ist ein Teilaspekt der Kommunikationsform in Sozialen Medien. D.h. Jugendliche konsumieren nicht nur Beiträge und Bilder von Peers oder Celebrities, sondern stellen sich selbst dar und vergleichen sich mit anderen.

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Werbung und Co. – bearbeitete Bilder

Bilder von schönen Menschen sind heute allgegenwärtig, egal ob in Printmedien, Fernsehen oder in Sozialen Medien im Internet. Sie sind perfekt inszeniert, in der Regel stark bearbeitet und die dargestellten Menschen meist wenig divers. Ein Großteil dieser Bilder präsentiert ein uniformes Bild von Schönheit und trägt somit wesentlich zur Unzufriedenheit vieler Menschen mit sich selber bei.
Diese Unsicherheit und Unzufriedenheit, die in der Jugend beginnt, aber auch im Erwachsenenalter weit verbreitet ist, machen sich die Werbestrategien der Schönheits-, Fitness- und Modeindustrie zu Nutze. Sie führen Konsumenten und Konsumentinnen angebliche Mängel vor Augen und präsentieren mit verschiedenen Produkten und Angeboten vermeintliche Lösungen. Befragungen zeigen, dass von beiden Geschlechtern Diäten in Betracht gezogen werden, um dem Ideal näher zu kommen. Daneben zählen Fitnesstraining, Nahrungsergänzungsmittel, sogenannten Super Foods zu den bevorzugten Methoden der Selbstoptimierung. Zunehmend werden auch plastische und ästhetische Eingriffe (Schönheitsoperationen) als Lösung angepriesen und von vielen in Betracht gezogen.

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Selbstoptimierung, Fitnesswahn und Muskelsucht

Einer der Hauptgründe, warum junge Menschen ins Fitnessstudio gehen, ist der Wunsch den eigenen Körper zu optimieren und das Aussehen zu perfektionieren. Jungen Männern geht es dabei in erste Linie um Körpermodellierung, d.h. dem Aufbau von Muskelmasse und der Reduktion von Fettmasse. Durch den muskulösen Körper versprechen sich die Jugendlichen beispielsweise Respekt und Anerkennung in der Peer Group. Um dieses Ziel möglichst rasch zu erreichen, werden Diäten eingehalten, einseitige Ernährungsweisen praktiziert, Nahrungsergänzungsmittel, Eiweißpräparate oder Fatburner konsumiert und Medikamente und leistungssteigernde Substanzen (z.B. Anabolika) eingenommen. Gleichzeitig verwenden die jugendlichen Kraftsportler und Bodybuilder immer mehr Zeit fürs Training und die Planung ihrer Mahlzeiten. Persönliche Kontakte werden reduziert und auf das Umfeld des Fitnessstudios beschränkt, weil dort Verhaltensauffälligkeiten besser ausgelebt werden können. Das Trainingsverhalten wird zu einem Zwang und der Konsum von Dopingsubstanzen nimmt suchtartige Formen an. Bei einem zwanghaften Verhalten spricht man auch von Biggerexie, Muskeldysmorphie oder Adoniskomplex.

Leistungssteigerung – ein Phänomen, das alle Lebensbereiche betrifft

Die Einnahme von leistungssteigernden Substanzen sind Phänomene, die nicht nur den Sportbereich treffen, sondern längst in Beruf und Freizeit angekommen sind. Was mit der Einnahme von relativ harmlosen Nahrungsergänzungsmitteln beginnt, endet in vielen Fällen beim Konsum von verschreibungspflichtigen Substanzen. Um trotz Überforderung oder gesundheitlicher Einschränkungen leistungsfähig zu bleiben, wird der Griff zu Medikamenten immer selbstverständlicher. Bei Rückschritten im Training oder um den Trainingserfolg weiter zu erhöhen, werden neue Mittel und Methoden gesucht, um die natürlichen Leistungsgrenzen des Körpers zu verschieben und körperliche Prozesse zu beschleunigen.
Von Medikamentenmissbrauch spricht man, wenn Medikamente ohne entsprechende Indikation, in unangemessen hoher Dosierung oder länger als notwendig eingenommen werden. Wer über Doping spricht, sollte dabei auch den Widerspruch thematisieren, dass im Sportbereich Dopingverbote gelten, während im Alltag die Einnahme von Medikamenten und leistungssteigernden Mitteln (Neuro-Enhancement) ohne medizinische Indikation durchaus akzeptiert wird. (vgl. DHS-Basisinfo Medikamente, PDF S. 38 ff) Experten vermuten, dass Medikamentenmissbrauch im Freizeit- und Breitensport mindestens genauso weit verbreitet ist wie im Leistungs- und Wettkampfsport.

Bei Verdacht auf Anabolika-Konsum bei Jugendlichen gilt: sofort handeln, da die Einnahme von Anabolika und anderen Medikamenten gesundheitliche Gefahren mit sich bringt. Viele dieser negativen Folgen von Doping können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Bestätigt sich der Verdacht sollte diese Tatsache weder dramatisiert noch verharmlost werden. Die regionalen Fachstellen für Suchtprävention können hier fachliche Unterstützung anbieten.

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Prävention von Essstörungen

Wie bei allen Süchten dreht sich auch bei Essstörungen das Leben der Betroffenen zwanghaft um das Suchtmittel, in diesem Fall Essen bzw. Nichtessen. Die Sorgen um Gewicht und Figur bestimmen den Alltag. Sie drängen andere Lebensbereiche wie Schule, Freundschaften und Familien in den Hintergrund. Hunger, Überessen und Erbrechen werden als Problemlöser eingesetzt und am Ende selbst zum Problem.

Essstörungen haben immer mehrere Ursachen. Persönlichkeitsmerkmale und verhaltensbezogene Faktoren spielen genauso eine Rolle wie familiäre und gesellschaftliche Bedingungen. Soziale Medien bieten zudem eine Plattform für Gruppen, die vor allem Mädchen und junge Frauen ansprechen und sich dem Abnehmen und Hungern um jeden Preis verschworen haben. Jugendliche, die sich anfangs mit harmlosen Absichten diesen Gruppen anschließen, können diesen nur schwer entrinnen. Die Gruppenregeln sind ausgesprochen streng und auf die Mitglieder wird teilweise enormer Druck ausgeübt, wie der Beitrag einer Betroffenen aufzeigt.

Die Lebenswelt Schule kann nicht nur durch entsprechende Unterrichtsgestaltung, sondern auch durch strukturelle Maßnahmen einen Beitrag zur Prävention leisten. Ziel schulischer Prävention ist die Förderung von Lebenskompetenzen, wie z.B. kritisches Denken, Selbstwahrnehmung, Handlungskompetenz. Es geht also darum, das Selbstwertgefühl zu stärken, das extreme gesellschaftliche Schlankheitsideal zu hinterfragen und das Bewusstsein für ein gesundes Körpergewicht zu vermitteln.

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