Alkohol und Tabak – Legale Suchtmittel als Thema in der Schule

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Der Konsum von Alkohol und Tabak ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Beide Suchtmittel sind bei uns legal und leicht verfügbar. Insbesondere Alkohol wird bereits in jungen Jahren probiert und im Vergleich zu anderen psychoaktiven Substanzen sowohl von Erwachsenen als auch von Jugendlichen häufig konsumiert. Es ist daher besonders wichtig mit Kindern und Jugendlichen frühzeitig präventiv zu arbeiten, mit dem Ziel einen unproblematischen Konsum zu fördern. Beim Thema Rauchen geht es in erster Linie darum, den Einstieg zu verhindern oder so lange wie möglich hinauszuzögern.

Schülerstudien wie die HBSC-Studie (Health Behaviour in School-aged Children Study), die ESPAD-Erhebung (European School Survey Project on Alcohol and other Drugs) und die KiGGS (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) liefern regelmäßig Informationen zu den aktuellen Konsumtrends. In den letzten Jahren konnte sowohl beim Rauchen als auch beim Alkoholkonsum ein leichter Rückgang verzeichnet werden.

Alkohol

Alkohol ist ein Genussmittel, das in unserer Gesellschaft weit verbreitet und akzeptiert ist. Der Übergang von unproblematischem Konsum zu problematischem Trinkverhalten ist individuell verschieden und wird oft lange nicht wahrgenommen. In Österreich ist Alkohol auch für Jugendliche relativ leicht verfügbar. Es ist daher wichtig, Jugendliche dabei zu unterstützen, einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu lernen.

Alkoholkonsum kann in Anhängigkeit von Konsumdauer und -menge zu gesundheitlichen Schäden führen. Beim Abbau von Alkohol entstehen giftige Abbauprodukte, die als Zellgift wirken. Zahlreiche Organe im Körper können dadurch bei Alkoholmissbrauch geschädigt werden, insbesondere die Leber. Besonders problematisch zu beurteilen sind Alkoholmixgetränke, bei denen der Alkoholgeschmack überdeckt wird: Die Gefahr, dass dadurch zu viel getrunken wird, ist groß.

Ein wesentliches Motiv von Jugendlichen für Alkoholkonsum ist die Erwartung einer enthemmenden Wirkung; Alkohol soll dabei helfen, Spaß zu haben. Nur ein sehr geringer Anteil der Jugendlichen konsumiert Alkohol, um negative Gefühle zu verdrängen und Probleme vergessen zu können. Häufiger Alkoholkonsum, ein hoher Durchschnittskonsum oder häufiges Rauschtrinken können Warnsignale für einen problematischen Konsum sein (vgl. ESPAD 2015). Die Österreichische ARGE Suchtvorbeugung hat Ende 2016 das Positionspapier „20 Handlungsempfehlungen zur Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Alkohol in Österreich“ (PDF) veröffentlicht. Einen Schwerpunkt bildet darin der Bereich Prävention, wo im Hinblick auf Kinder und Jugendliche u.a. der Ausbau von Lebenskompetenzprogrammen gefordert wird.

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Kurzfilm, Videoclips

Tabak

Rauchen ist erwiesenermaßen für eine Vielzahl an schwerwiegenden Krankheiten (mit)verantwortlich wie z.B. Lungenkrebs, chronischer Husten, Herzinfarkt, Schlaganfall. Dafür verantwortlich sind verschiedene gesundheitsschädliche Substanzen, die in Zigaretten enthalten sind. Dazu zählen vor allem (vgl. x.act Nikotin, Institut für Suchtprävention pro mente OÖ, S. 13):

  • Teer – enthält an die 40 krebserregende Substanzen:
  • Kohlenmonoxid – giftiges Verbrennungsgas, hat negativen Einfluss auf Sauerstofftransport im Blut
  • Blausäure – ein geruchloses Gas, führt u.a. zu Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen
  • Formaldehyd – als Nebenprodukt von Verbrennungsvorgängen reizt es die Atemwege
  • Kadmium, Quecksilber, Blei, Chrom, Nickel, Arsen – sind Schwermetalle

Darüber hinaus enthält Tabak Nikotin, welches für die körperliche Abhängigkeit verantwortlich ist.

Es gibt viele Motive, warum junge Menschen mit dem Rauchen beginnen – etwa Neugier, Vorbilder in der Peergroup, der Wunsch, erwachsen zu wirken, oder um Stress abzubauen. Ziel präventiver Bemühungen ist es, Jugendliche von Raucheinstieg abzuhalten bzw. sie möglichst früh zu einer Reduktion oder einem Ausstieg zu bewegen.

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Kurzfilm

Wasserpfeife (Shisha)

Das Rauchen von Wasserpfeifen hat sich in der Vergangenheit vom östlichen Mittelmeerraum, Teilen Asiens und arabischen Ländern auch nach Europa ausgebereitet und an Beliebtheit zugenommen. Zu den Hauptbestandteilen von Wasserpfeifen gehören das Wassergefäß, die Rauchsäule, der Tabakkopf und ein Schlauch. In Abhängigkeit von Dauer und Häufigkeit ist Rauchen von Wasserpfeifen genauso schädlich wie Zigaretten zu rauchen. Durch das im Tabak enthaltene Nikotin kann mit einem Sucht- und Abhängigkeitspotenzial gerechnet werden, das mit dem von Zigaretten vergleichbar ist. Es ist auffallend, dass dies allerdings von den konsumierenden Jugendlichen meist nicht so wahrgenommen wird. Sie bezeichnen sich selber als Nichtraucher, wenn sie nach ihrem Rauchstatus gefragt werden. (vgl. RKI 2015).

Es gibt auch tabak- und damit nikotinfreie Varianten des Wasserpfeiferauchens. Die verwendeten Substanzen, z.B. Kräuter- oder Fruchtessenzen, sind jedoch in Bezug auf ihre Inhaltsstoffe kaum untersucht und sehr wahrscheinlich nicht unbedenklich.

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E-Zigaretten, E-Shisha

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E-Zigaretten ist der Überbegriff für Produkte, die Rauchen simulieren, aber keinen Tabak verbrennen. Eine Flüssigkeit (Liquid) wird durch einen elektrischen Vernebler verdampft und als feiner Nebel eingeatmet. Die Produktvielfalt ist mittlerweile sehr groß. Es sind sowohl Einwegprodukt als auch solche mit austauschbarer Kartusche verfügbar (vgl. E-Zigartette und E-Shisha, VIVID).

Diese Produkte gelten aus verschiedenen Gründen als bedenklich. E-Ziga­ret­ten sind mit oder ohne Nikotin erhältlich; nikotinhaltige Produkten haben ein ähnliches Abhängigkeitspotenzial wie normale Zigaretten. Bei beiden Varianten können die enthaltenen Aerosole und das für den Nebeleffekt verantwortliche Probylenglykol die Atemwege reizen. Von einem langfristigen Gebrauch wird daher abgeraten. Ob sich E-Zigaretten als Mittel für einen Rauchausstieg eignen, lässt sich derzeit nicht sagen.

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Gesetze und Regelungen rund um Alkohol und Rauchen

Der Umgang mit und der Konsum von Alkohol und Nikotin wird u.a. durch die Jugendschutzgesetze, die Promillegrenzen im Straßenverkehr, die Gesetze zum Nichtraucherschutz, Werbeverbote und -beschränkungen geregelt. In Österreich gibt es in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Regelungen, was den Alkoholkonsum betrifft. In Bezug auf Rauchen ist es vor kurzem gelungen, das Mindestalter österreichweit einheitlich festzulegen. Die Landesjugendreferenten und-referentinnen haben bei ihrer Konferenz beschlossen, das Schutzalter für Rauchen auf 18 Jahre anzuheben. Bis Mitte 2018 müssen die jeweiligen Landesjugendschutzgesetze angepasst werden.

In den 2016 beschlossenen Änderungen des Österreichischen Tabakgesetzes werden Wasserpfeifen und mit Tabakerzeugnissen verwandte Produkte (z.B. E-Zigaretten) wie Tabakerzeugnisse geregelt. Das bedeutet, dass der Nichtraucherschutz z.B. in öffentlichen Gebäuden, Schulen, Gastronomie genauso für E-Zigaretten und Wasserpfeifen gilt.

Das Gesundheitsministerium hat Ende 2015 die Österreichische Suchtpräventionsstrategie (PDF 4 MB) veröffentlicht. Ziel dieser Strategie ist es, über verschiedene Disziplinen hinweg ein gemeinsames Grundverständnis von Sucht zu definieren und einen Orientierungsrahmen für die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen zu geben.

Linktipps

Regelungen zum Umgang mit Rauchen und Alkohol an Schulen

Wie in anderen öffentlichen Gebäuden auch gibt es seit mehr als 10 Jahren ein absolutes Rauchverbot an Schulen. Das gilt auch für Besucher von Schulfesten und Schulfeiern. Für Schülerinnen und Schüler gilt das Rauchverbot auf der gesamten Schulliegenschaft und damit auch für die dazugehörenden Freiflächen wie Schulhof, Sportplätze oder Parkplatz. Möchte eine Schule das Rauchen auf Schulfreiflächen für Erwachsene erlauben, kann dies in der Hausordnung (Verhaltensvereinbarung) verankert werden. Rundschreiben 3/2006: Nichtraucherschutz an Schulen (PDF)

Im Hinblick auf Alkohol sind die Regelungen für Jugendliche und Erwachsene nicht ganz so einheitlich. Im BGBl.Nr. 373/1974. Verordnung: Schulordnung § 9 Abs. 1 + 2 § (1) steht: Der Genuss alkoholischer Getränke ist den Schülern in der Schule, an sonstigen Unterrichtsorten und bei Schulveranstaltungen sowie schulbezogenen Veranstaltungen untersagt. § 44(1) des Schulunterrichtsgesetz (SCHUG) besagt zudem, dass zur „Gestaltung des Schullebens und Qualitätssicherung“ in der Hausordnung seitens des Schulgemeinschaftsausschusses schuleigene Verhaltensvereinbarungen festgelegt werden können. Somit hat die Schule die Möglichkeit festzulegen, ob Erwachsenen der Konsum von Alkohol in der Schule und bei Schulveranstaltungen (z.B. Sport- oder Projektwochen) gestattet ist oder nicht.

Bevor etwas passiert … Maßnahmen im Anlassfall

(Dieses Kapitel entstand mit freundlicher Unterstützung von kontakt+co Suchtprävention Jugendrotkreuz.)

Im Gegensatz zum Rauchen ist der Konsum von Alkohol durch Erwachsene an Schulen nicht klar geregelt. Es ist daher im Interesse einer Schule, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, bevor es zu Problemen kommen könnte.

Die Diskussion und die Erarbeitung gemeinsamer Regeln – am besten in einer eigenen Arbeitsgruppe – sind ein wichtiger Schritt zur Prävention von problematischem Alkoholkonsum. Das Ergebnis sollten klare und verbindliche Regeln bezüglich des Konsums von Alkohol durch Erwachsene an der Schule sein. So kann etwa ein maß- und genussvoller Konsum von Alkohol bei Feiern durchaus erlaubt sein, während ansonsten ein striktes Alkoholverbot gilt. Allen muss klar sein, dass Sanktionen bei Missachtung der Vereinbarungen folgen und mit welchen Maßnahmen zu rechnen ist. Schulleiterinnen und Schulleiter erhalten durch diese Vereinbarungen Sicherheit und eine Handlungsgrundlage im Anlassfall.

Intervention bei akuten Fällen in der Schule

Wenn Personen – vor allem Lehrkräfte – durch Alkoholkonsum (oder andere Suchtmittel) stark beeinträchtig sind, besteht für den Schulleiter, die Schulleiterin Handlungsbedarf! SchulleiterInnen müssen keine Diagnosen stellen. Vielmehr ist es ihre Aufgabe zu reagieren, wenn ein Kollege oder eine Kollegin nicht mehr in der Lage ist zu unterrichten. Primäres Ziel ist es Gefährdungen abzustellen, indem er oder sie dafür sorgt, dass sich der/die Betroffene nicht verletzt. Im Zweifelslfall muss eine stark angetrunkene Person nach Hause geschickt oder gebracht werden.

Empfehlungen für die Praxis:

  • Wenn Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam feiern und Alkohol konsumieren möchten, dann besser in einem Lokal, außerhalb der Schule.
  • Die Vereinbarung zum Alkoholkonsum an der Schule sollte für alle Beteiligten klar und transparent sein, ebenso mögliche Sanktionen bei Missachtung der Vereinbarungen.
  • Einen Handlungsleitfaden für Akutsituationen und den Umgang mit auffälligen KollegInnen, aber auch Schülerinnen und Schülern erstellen.
  • Gleichzeitig liegt es im Interesse der Schule gesunde Lern- und Arbeitsbedingungen zu fördern (Thema LehrerInnengesundheit, Thema Schulen gesund leiten).
  • Im Team besprechen, wie mit Personen umgegangen werden soll, die in Therapie müssen.

Linktipps

Informations- und Präventionsangebote für Schulen

Bei der Planung und Durchführung von Präventionsmaßnahmen an Schulen sollen die Lebenswelt der Jugendlichen und ihre derzeitigen Entwicklungsaufgaben und -probleme berücksichtigt werden. Was sind ihre Motive für den Konsum von Alkohol oder Zigaretten? Geht es um Anerkennung innerhalb der Peergroup oder ist es Neugierde? Wollen sie einfach nur Spaß haben oder Grenzerfahrungen machen?

Wenn man die Zielgruppe, ihre Lebenswelt und ihre Motive gut kennt, können passende Alternativen zum Suchtmittelkonsum angeboten werden. Moderne Präventionsangebote fokussieren nicht ausschließlich auf Abstinenz, sondern auf „harm reduction“, also darauf, das Risiko für problematisches Verhalten im Umgang mit Tabak und Alkohol gering zu halten.

Beispielhafte Ansatzpunkte für die Praxis

  • Bieten Sie Schülerinnen und Schülern Unterstützung bei ihren Entwicklungsaufgaben wie z.B. bei der Auseinandersetzung mit Sinnfragen, beim Umgang mit Konsumangeboten oder bei der Entwicklung einer Lebens- und Berufsperspektive.
  • Unterstützen Sie ein gesundheitsförderliches Schulklima, das geprägt ist von Toleranz, positiven Konfliktlösungsstrategien und der Freude am Arbeiten.
  • Nutzen Sie Programme zur Lebenskompetenzförderung. Sie sind ein erfolgversprechender Weg der schulischen Suchtprävention.
  • Präsentieren und organisieren Sie alternative Freizeitangebote, indem Sie z.B. mit außerschulischer Jugendarbeit oder Sportvereinen zusammenarbeiten.
Etablierte Programme zur Lebenskompetenzförderung
Unterrichtsmaterialien

Fachstellen für Suchtprävention

Die regionalen Fachstellen haben zahlreiche Angebote für LehrerInnen, Schulen, Kinder und Jugendliche zu den verschiedenen Themen der Suchtprävention. Dazu zählen z.B. Workshops, Angebote zur LehrerInnenfortbildung, Programme, Unterrichtsmaterialien, Fact Sheets, Broschüren.

Angebote speziell für Jugendliche

Im Internet gibt es speziell für Jugendliche ein umfassendes Angebot an Kampagnen, Portalen und ähnlichem rund ums Thema Sucht. Diese Angebote nehmen Bezug zur Lebenswelt der Jugendlichen und fokussieren auf Informationen, die für junge Menschen interessant sind. Hier eine kleine Auswahl:

GIVE-Materialien und -Angebote

Verwendete Literatur
  • AUVA (Hrsg. 2013): Vom Konsum zum Genuss. Alkohol im Betrieb. M015.1 Sicherheit kompakt.
  • GÖG (Hrsg. 2016): Europäische SchülerInnenstudie zu Alkohol und anderen Drogen: European School Survey Project on Alcohol an other Drugs.
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (2014): Informationen für Schulen: E-Zigaretten und E-Shishas. Fakten zum Rauchen, Heidelberg.
  • Institut für Suchtprävention pro mente OÖ (Hrsg.): x.act Nikotin. Linz.
  • Österreichische ARGE Suchtvorbeugung (Hrsg.): Wasserpfeife.
  • Robert Koch-Institut (Hrsg. 2015): Wasserpfeifenkonsum (Shisha-Rauchen). Faktenblatt zu KiGGS Welle 1: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Erste Folgebefragung 2009 – 2012. RKI, Berlin.
  • Robert Koch-Institut (Hrsg. 2014): Alkoholkonsum. Faktenblatt zu KiGGS-Welle 1: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Erste Folgebefragung 2009 – 2012. RKI, Berlin.
  • Robert Koch-Institut (Hrsg. 2014): Tabakkonsum. Faktenblatt zu KiGGS Welle 1: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Erste Folgebefragung 2009 – 2012. RKI, Berlin.
  • VIVID: E-Zigarette und E-Shisha.
  • Uhl, A./Spriger, A./Kobrna, U./Matt, B. (2008): Alkohol und erhöhte Vulnerabilität in Kindheit und Jugend? Expertise des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Suchtforschung über die „Auswirkung von Alkohol auf Kinder und Jugendliche“ (Hrsg. LBI-Sucht, korrigierte Fassung 2010) Wien.